Reisen mit Kindern

Die Welt wartet, auch mit kleinem Budget | Fernreisen und Langzeitreisen mit Kind ohne ein digitaler Nomade zu sein

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REISEN MIT KIND. Wir werden immer wieder gefragt, wie wir das machen. Wir reisen lange, möglichst weit weg und manchmal bin ich noch mit Mini als Mama-Tochter-Gespann alleine unterwegs. Und das in den Augen der anderen auch noch ziemlich oft. Im Moment sind wir intensiv mit unserer Reise durch Malaysia, Singapur und Indonesien und deren Vorbereitung beschäftigt. Die Planung erledigen wir derzeit aus wärmeren Gefilden am Mittelmeer.

Dazu bin ich jetzt schon mehrfach in Kommentaren oder per privater Nachricht angemailt worden und schreibe gerne mal was zu den meist gestellten Fragen auf:

  • Sind Fernreisen oder Urlaube generell mit Kind und als Familie nicht furchtbar teuer?
  • Ist das nicht alles total kompliziert und anstrengend?
  • Wie bezahlt ihr das?
  • Dann seid ihr doch immer total entspannt und ausgeruht, oder!?

Nein, wir haben nicht im Lotto gewonnen, wir führen kein erfolgreiches Online-Business was uns das Leben als digitale Nomaden ermöglicht, wir haben nicht geerbt und hoch bezahlte Jobs haben wir auch nicht. Und leider sind wir auch keine professionellen Reiseblogger, die via Pressereisen Eintritt in die schönsten Locations der Welt erhalten.

Damit wir uns mehrere Monate in Asien leisten können schlafen wir auch mal eine Weile in einem Baumhaus ohne Strom und fließendes Wasser und sonstigen Komfort, helfen auf einem Hof mit oder schränken uns absolut ein. Deswegen sage ich auch immer: wir sind nicht im Urlaub, sondern wir reisen. Der Unterschied ist, dass wir meistens nicht erholt aber mit vielen wertvollen Erfahrungen und Eindrücken im Gepäck wieder nach Hause kommen.

Einzig unverhandelbar ist für uns die Sicherheit, was zum Beispiel Transfers und Fortbewegung anbelangt. Da machen wir, genau wie zu Hause in Deutschland, keine Abstriche. Unsere Tricks für sicheres Reisen und entspanntes Vorankommen kannst du hier nachlesen.

Fest steht jedoch: ihr müsst als Familie Prioritäten setzen, wenn euer Budget, genau wie bei uns, begrenzt ist. Die einen bauen überteuerte Häuser, bei denen die Anschlussfinanzierung schon beim ersten Spatenstich auf wackeligen Beinen steht, leasen große Autos und kaufen Waschmaschinen, TV-Anlagen und sonstige Spaßgüter auf Pump.

Und die anderen überlegen immer noch, ob weite Reisen mit Kindern überhaupt möglich sind, ob das nicht viel zu kompliziert ist und ob die Kinder überhaupt etwas davon haben. Das alles ist Verschwendung von Geld, Zeit und Ressourcen. Heute gewähre ich daher ein paar Einblicke in unsere Vorstellungen von Reisen, Urlaub, und Erholung.

Reisen mit Baby und Kind, Bereicherung für die ganze Familie

Ein einzigartiger Vorteil, wenn du mit Kindern verreist: so schnell und einfach kommst du mit Land und Leuten und deren Herzlichkeit nie wieder in Kontakt, also warte nicht zu lange!

Zugegeben, zwischenzeitlich dachte ich auch, dass mein Leben als selbsternannte Travelista nun vorbei wäre. Als Mutter mit einem Kind was dazu noch äußerst empfindsam, gefühlsstark und sensibel ist. Welches schlecht schläft, weit über das erste Jahr hinaus ein Schreibaby war und mit dem die Dinge im Alltag immer so furchtbar kompliziert schienen. Im ersten Lebensjahr meiner Tochter habe ich nahezu niemals und nur im größten Notfall alleine mit ihr das Haus verlassen. Für mich war es unvorstellbar mich mit ihr in einen Zug zu setzen oder in gar ein Flugzeug zu steigen. Wir sind ja nichtmal lange Strecken mit dem Auto gefahren.

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Dabei ist es genau anders herum: mit neuem Mut habe ich sogar eine wochenlange Alleinreise mit meiner Tochter angetreten und erfolgreich beendet. Mittlerweile sind wir auf unserer dritten Tour nur zu zweit unterwegs. Wie wir das machen?

Wir haben über das ganze Jahr nie unser Ziel, die Welt zu sehen, aus den Augen verloren und jeder übrige Euro und jeder Cent wanderten stets in die Reisekasse.

Seit einiger Zeit haben wir zudem unsere Lebenshaltungskosten in Deutschland gesenkt und uns eine minimalistischere Haltung zugelegt. Dazu gehörte auch der Verkauf unseres Hauses, die Trennung von viel Ballast und ein Umzug in die neue Heimat. Das sind viele Veränderungen, die uns in der Summe eine große Bereicherung und vor allem viel mehr Möglichkeiten verschaffen.

Jahrelang war ich davon überzeugt, dass das gebunden an Jobs und Eigentum nicht möglich ist. Den Schritt zu wagen war ein Prozess, wenn du dich noch nicht so wirklich traust, dann lass dich doch kurz hier inspirieren.

Urlaub ist teuer, Reisen ist günstig //

mit Kindern die Welt entdecken

Hää?! Ist das nicht das gleiche? Nein, auf gar keinen Fall. Wenn wir mehrere Wochen oder gar Monate unterwegs sind, und das gleich mehrmals im Jahr,

dann buchen wir keine Pauschalreise in einem 5-Sterne-Luxusresort mit SPA, sondern halten Ausschau nach günstigen Unterkünften über AirBNB, Homestays oder schlafen auch mal in einem familientauglichen Hostel.

Oft wird Erholung mit einem Rundumservice gleichgesetzt, für uns hat Bildung, Kultur und die Verbindung mit Menschen auf Reisen allerdings einen viel höheren Stellenwert. Nur weil wir auf ein Hotel mit Inklusivleistungen verzichten, heißt das nicht, dass wir den ganzen Tag mit kochen, backen und putzen beschäftigt sind. Gerade in asiatischen Ländern, aber auch in Afrika und Südeuropa ist es nicht teurer, sich täglich bei Take-Aways, Foodcourts oder Straßenküchen mit dem leckersten der lokalen Küche zu versorgen.

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Ein Vergleich: unser zweiwöchige Pauschalurlaub auf den Kanaren zur Hauptreisezeit in den Sommerferien hat uns mehr gekostet als wir als Budget für unsere mehrmonatige Reise durch Südost-Asien zur gleichen Reisezeit einberechnet haben, die wir in wenigen Wochen antreten. Ich behaupte daher, dass sich fast jeder eine Reise leisten kann, denn Mut ist wichtiger als Geld!

Bus und Zug sind hervorragende Transportmittel, ein paar Nächte im Zelt können sehr spannend sein und einmal vor Ort finden sich immer Möglichkeiten für eine Unterbringung. Reisen macht übrigens auch in Deutschland sehr viel Spaß. Schon mal vor dem Zelt auf einer Decke liegend den Sternenhimmel beobachtet?

Ohne Kind wäre ich im Leben nicht auf diese Idee gekommen, jetzt bin ich um eine Erfahrung und um ein tolles Erlebnis reicher.

Reisen heißt nicht Fernreisen, denn auch Deutschland ist schön

Um ‚mal raus‘ zu kommen braucht es keinen 18-Stunden Flug. Unser eigenes Land hat so viel zu bieten. So viele tolle Städte, Sehenswürdigkeiten und zahlreiche Programme für Familien. Unsere Nachbarn, die Niederlande und Belgien, bieten uns unweit von zu Hause die tollsten Strände. Hier lassen sich mindestens genau so hohe Sandburgen bauen wie in der Karibik, auch wenn die Sandfarbe sich ein wenig unterscheidet. Auch in Dänemark lässt es sich prima ‚urlauben‘, wenn man den Trip als Reise organisiert.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: wenig ! Nimm lieber einen Rucksack, der reicht völlig aus!

Lass den Koffer auf dem Dachboden, nimm stattdessen den Rucksack. Nicht nur Flüge werden günstiger, wenn wir nur mit Handgepäck reisen, sondern auch der Rücken wird geschont. Für intensives Reisen als Familie braucht es nicht viel Gepäck. Vieles lässt sich vor Ort kaufen, anderes wird gar nicht benötigt. Du wirst sehen, versprochen. Aus der Erfahrung weiß ich, dass man keine 111 Kilogramm Gepäck für eine Familienreise benötigt. Ja, auch wir sind diesem Irrtum schon aufgesessen und haben mehrere Koffer pro Familienmitglied mit in den Urlaub geschleppt.

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Einziger Vorteil: Papa Kassandra hat so viel Mitleid erregt, dass wir am „First Class Platinum Schalter“, von dem wir vorher gar nicht wussten dass es ihn gibt, einchecken durften. Mit einem gut gepackten Handgepäck, das völlig ausreicht, seid ihr auf der sicheren Seite, dazu schreibe ich zeitnah noch einen extra Beitrag.

Sind weite Reisen nicht eine große Belastung für (kleine) Kinder? Jetlag!?

Die größte Angst hatte ich mit unserem schlecht bis gar nicht schlafenden Kind, dass vor allem die wechselnden Zeitzonen noch mehr Unruhe bringen würden. Ergebnis? Es macht den Kindern gar nichts aus. Ich habe seitdem wir als Familie reisen übrigens auch keinen Jetlag mehr. Warum? Weil wir nicht direkt nach der Ankunft zum ersten Tempel, nächstbesten Strand oder… hetzen, sondern weil wir einfach ankommen. Und dann weiter schauen. Und: weil wir einen viel größeren Zeitrahmen einplanen. Nicht nur für einzelne Aktivitäten, sondern für die gesamte Reise. Babys und kleine Kinder wissen nichts über Uhrzeit, Datum und Kalender. Sie leben im Hier und Jetzt. Und seit wir nicht mehr krampfhaft versuchen uns möglichst schnell parallel zur neuen Ortszeit durch den Tag zu bewegen, spüren wir selbst bei Zeitverschiebungen von mehr als sechs Stunden keine Erschöpfung. Wen stört es denn, wenn wir bis Mitternacht noch vor dem Bungalow sitzen und uns die Sterne ansehen? Außer den ‚man‘ von ‚das macht man mit so kleinen Kindern aber nicht‘ vermutlich niemanden.

Strahlung, Flug, Zeitumstellung, Klima: Fernreise mit Kind und Baby

Auch Fliegen mit Baby und Kind muss nicht anstrengend sein. Unsere Tochter hasst das Fahren im Auto. Nur mit größter Überzeugung steigt sie ein, in der Babyschale war jede noch so kurze Fahrt für mich ein Trip durch die Hölle und noch heute lege ich möglichst keine weiten Strecken mit ihr alleine zurück.

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Im Flugzeug war und ist alles anders. Dort sitzt sie angeschnallt in ihrem Kindersitz, liest Bücher, erzählt Geschichten und bespaßt unsere Sitznachbarn. Für den Notfall habe ich, obwohl wir zu Hause nichtmal einen TV besitzen, ein Tablet dabei. Gebraucht haben wir es noch nie, es dient vermutlich gut verstaut im untersten Fach im Rucksack nur zur Beruhigung von uns Eltern. Auch mit dem wechselnden Klima haben Kinder meist weniger Probleme als wir Erwachsenen.

Warum Reisen mit Babys und Kindern so wertvoll ist und gleichzeitig günstig sein kann

Ich mag hier gar keine Lanze für pauschale Billig- und Schnäppchenreisen brechen. Denn davon halten wir uns bewusst fern. Trotzdem buchen wir keinen teuren Luxusurlaub, sondern organisieren alles selbst. Wer verreist anstatt einen Urlaub zu buchen, wer offen für andere Kulturen, fremde Länder und Lebensgewohnheiten ist, wer bereit ist auf Vieles zu verzichten, der wird ganz viel für wenig Geld erhalten. Nämlich Erinnerungen, die einem keiner mehr nimmt.

Wer kurioses Essen von Straßenküchen isst, aus frisch aufgeschlagenen Kokosnüssen mit einem Strohhalm trinkt, in Strandhütten ohne Wände am Meer schläft, … und seine Kinder auf dieses Abenteuer mitnimmt, der lässt seine sie die Welt durch ihre eigenen Augen sehen. Reisen ist Bildung. Über den Tellerrand schauen. Reisen sind Augenöffner.

Sie inspirieren und schockieren zugleich. Sie bringen euch als Familie näher zusammen, auch wenn sie unterwegs die Wege vorübergehend trennen. Reisen ist noch so viel mehr. Und dabei hat es gar keine Bedeutung, wenn sich der kleinste Teilnehmer der Reise noch im Babyalter befindet oder gerade erst geboren wurde. Fernab vom Alltag und den damit verbundenen Belastungen kann ein ganz neues Familiengefühl gelebt werden, das auch schon die Kleinsten spüren.

Möchtest du mehr über Reisen mit Kindern und als Familie erfahren?

  • Hier liest du, wie wir sicher und entspannt mit Baby und Kleinkind fliegen
  • Hier berichte ich von unserer mehrwöchigen ersten Reise nur zu zweit als Mama-Tochter-Gespann
  • Hier liest du, dass auch Sightseeing mit Kind toll sein kann und meine kritischen Gedanken zu Reisen in Entwicklungsländern, wir waren in Kambodscha

Oder schau mal in die Kategorie „Reisen mit Kindern“, ich bin gerade dabei diese stetig mit bebilderten Berichten rund um unsere vergangenen Reisen zu füllen.

Alles Liebe

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4 replies »

  1. Hallo Isabel, Wir finden, ihr macht es genau richtig. Eigentlich sollte man ja auch keinem vorschreiben, wie er sein Leben zu leben hat. Wenn euch das Reisen so viel Spaß macht und ihr auch gerne dafür Abstriche macht, weil euch das Reisen viel zurückgibt, dann ist das doch so schön so! Jeder, der es anders sieht, hat entweder nicht die nötige Weitsich, Empathie oder ist vielleicht auch ein wenig neidisch.

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