Geschichten aus dem Leben

Reisen in Entwicklungsländern, ein paar Gedanken | Kambodscha‘s Kinder in Bildern

REISEN MIT KIND. Eine Weile ist unsere Reise nach Kambodscha nun her und es fällt mir immer noch schwer, klare Gedanken dazu zu fassen. Reichtum, Armut, Möglichkeiten, ungenutztes Potenzial, Landmienen, … die Ambivalenz kann kaum größer sein. Abends saß ich weinend im Hotelzimmer und brauchte Trost, weil ich mich schlecht gefühlt habe. Schlecht, weil wir in einem 5-Sterne-Luxushotel mittags ein Mehrgängemenü serviert bekommen haben und unsere Tochter dabei mit Pommes und Nudeln um sich geworfen hat während gleichzeitig die Kinder Kambodschas morgens arbeiten, damit sie nachmittags in der Schule die Lehrer bezahlen können.

Ursprünglich wollten wir uns lediglich die Tempel im Angkor-Gebiet anschauen und dazu kurz von Thailand aus nach Siem Reap fliegen. Letztendlich sind wir dann doch länger als geplant geblieben und etwas tiefer in Land, Leute und Geschichte eingetaucht. Und ursprünglich waren wir als Backpacker „light“ unterwegs, die eigentlich keine Affinität für teure Hotels und delikates Sterneessen haben, ursprünglich hatten wir auch keinen Zwischenstop in Kambodscha eingeplant. Und so kam es wie es kommen musste: um ein gutes Gefühl bezüglich Sicherheit und Hygiene zu haben was unser Kind anbelangt, haben wir uns dazu hinreissen lassen, kurzfristig ein „Rundumsorglos-Reisepaket“ für diesen Trip zu buchen. Sicherheit und Sauberkeit haben wir bekommen, keine Frage. Nötig wäre es nicht gewesen. Dieses Resümee kann ich jetzt schon ziehen und das werden wir für kommende Reisen auch wieder beherzigen.

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Schwimmende Kinder im Siem Reap River.

Dass Kambodscha ein Entwicklungsland und die Provinz Siem Reap eine der ärmsten ist, obgleich sie aufgrund der Tatsache die Touristenattraktion des Landes schlechthin auf ihrem Gebiet zu haben, war mir schon vor der Reise bewusst. Dass das Elend jedoch so groß und so nah sein wird, damit habe ich nicht gerechnet. Dafür war die Zeit in der wir uns Informationen angelesen und erfragt haben einfach zu kurz.

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Vor der Fahrt zum Tonlé-Sap-See, der Junge wartet auf seinen Vater. Er wird gleich unser Boot steuern.

Vor jedem Tempel spielen Kapellen bestehend aus Landmienenopfern Musik. Auch Kinder sitzen mit dabei. Ich erwische mich dabei, wie ich wegschaue. Ich möchte das eigentlich gar nicht sehen und die Augen verschließen. Es ist immer die gleiche Melodie. Ich weiß gar nicht, wie wir uns verhalten sollen. Wird unsere Aufmerksamkeit als Sensationsgier gedeutet? Wir spenden. Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ohne zu wissen, ob der Betrag zu gering ist und wir als geizige Touristen wahrgenommen werden oder ob er so hoch ist, dass wir überheblich erscheinen. Gedanken, die ich mir mache und die mich lange nicht loslassen werden. Ich kann mich hier nicht wohl fühlen, obwohl mir der Unterschied zwischen Reise und Urlaub durchaus bekannt ist.

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Diese beiden treffen wir bei Ta Prohm, ihre Mutter betreibt dort einen Obststand.

Ebenfalls warten dort die Kinder. Entweder betteln sie oder sie versuchen kleine Souvenirs an die Touristen zu bringen. Wir möchten nichts kaufen, weil wir nichts brauchen. Trotzdem möchten wir unterstützen und helfen.

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Auf dem Tonlé-Sap.

Aber wie? Den Kindern nichts geben? Damit die Erwachsenen merken, dass sie nur Einnahmen erzielen können, wenn sie selbst arbeiten und dafür ihre Kinder zur Schule schicken? Den Kindern ein paar Dollar verwehren die wir locker übrig haben, von denen sie später den privaten Unterricht zu Hause hätten bezahlen können? Schule ist in Kambodscha eigentlich umsonst. Die Lehrer verdienen allerdings so wenig, dass sie von den Kindern und Eltern trotzdem Geld für ihre Tätigkeit erhalten.

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Am Banteay Srei Tempel spielende Kinder.

Das eigentliche Problem ist das geringe Einkommen der erwachsenen Einheimischen, die durch die bettelnden und verkaufenden Kinder die Familienkasse aufbessern. Und das wirkt. Bei mir wirkt es immer noch. Seit dem ich Mutter bin, bin ich noch sensibler. Ich wünsche mir Bildung und Möglichkeiten für meine Tochter, aber auch für alle anderen Kinder dieser Welt. Denn das sind die Erwachsenen von morgen.

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Vierzehnjähriger Mönch in Angkor Wat.

Was also tun? Eine Möglichkeit ist es, bei erwachsenen Händlern zu kaufen, besonders dann, wenn Kinder in der Nähe sind. Beide gehören meist eh zusammen und so sehen die Eltern gleich, dass es sich nicht lohnt, die Kinder vorzuschicken.

Noch besser ist es, in Projekte zu investieren, dann kommt das Geld auch wirklich dort an, wo es so dringend gebraucht wird.

Ich habe mich daher dazu entschlossen ein Hilfsprojekt zu unterstützen. Bildung und Schule sind in Kambodscha nicht selbstverständlich. In einem Land voller Korruption aber umso wichtiger, denn nur informierte Menschen stellen Fragen und beteiligen sich aktiv an der Gestaltung ihres Landes.

Auch die medizinische Versorgung der Kleinsten ist im Entwicklungsland Kambodscha ein Problem. Kinder versterben oft an nicht diagnostizierter Tuberkulose, weil es an der entsprechenden Technik zum Erkennen dieser Krankheit fehlt. Hier wird nochmal eine nicht hinnehmbare Tragik deutlich: Menschen und insbesondere Kinder in den ärmsten Gegenden der Welt erhalten nicht ausreichend medizinische Versorgung.

Die Foundations Childrens Hospitals Kambodscha (Schweiz) ist ein Projekt, das wir uns vor Ort haben näher erklären haben lassen und für unterstützenswert halten. Denn neben Bildung hat auch Gesundheit eine große Bedeutung. Dr. Beat Richner spielte bis zu seiner eigenen Erkrankung zahlreiche Benefizkonzerte mit seinem Cello in Siem Reap, zur Unterstützung der fünf Kantha Bopha Kinderkliniken.

Ich würde mich sehr über Unterstützung freuen! Machst du auch mit?

Alles Liebe

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