Buchempfehlung

Unser Familientisch | Buchempfehlung Jesper Juul „Essen kommen“

Gemeinsame Mahlzeiten mit der ganzen Familie. Gemeinsame Zeit. Gemeinsame Erlebnisse. Austausch und Begegnung. Dass das mit Kindern nicht immer so harmonisch und einfach ist, greift Jesper Juul in seinem im Beltz Verlag erschienenen Buch „Essen kommen: Familientisch- Familienglück“* auf. Er gibt Tipps und Hinweise, wie das gemeinsame Essen gelingt, für alle eine Zusammenkunft der Bereicherung ist und betont dabei, wie wichtig eine entspannte Esskultur ist. Nicht nur für die Entwicklung unserer Kinder, sondern für das Wohlergehen der ganzen Familie.

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Nach einem selbstbestimmten Beikoststart war es ziemlich schnell klar, dass Mini weiterhin selbstständig isst, auch wenn die Gerichte und das Aufspießen auf der Gabel komplizierter werden. Das tut sie gerne und mittlerweile auch viel. Sie probiert aus, sie kostet, sie schmeckt,… und manchmal manscht sie auch und legt angebissenes Essen wieder beiseite. Endlich habe ich es geschafft das Buch zu Ende zu lesen, hier erfahrt ihr, ob es mir gefallen hat, was ich darauf mitnehmen und in welchem Aspekt ich Jesper Juuls Meinung nicht teile.

„Mit Essen spielt man nicht!“

Achtung Glaubenssatz. Den hatte ich für mich eigentlich schon abgearbeitet und irgendwo weit weg abgelegt. Trotzdem wäre es mir natürlich lieber, wenn mein Kind – vor allem auswärts – mit Besteck und ohne viel Dreck essen würde. Tut es aber nicht. Und ich belasse es dabei. Warum? Weil der Familientisch nicht dafür da ist, mein Kind zu erziehen. Das tue ich sowieso nicht, aber das hier wäre erst recht der falsche Ort und die falsche Zeit.

Aber nicht nur die nicht vorhandenen Tischmanieren sind ein Thema, sondern auch so viele andere Fragen, die Jesper Juul in seinem Buch „Essen kommen: Familientisch – Familienglück“ thematisiert:

  • Essen immer alle gemeinsam?
  • Wie viele Mahlzeiten gibt es bei uns am Tag?
  • Haben wir feste Zeiten?
  • Wer entscheidet was es gibt?
  • Kaufen wir zusammen ein?
  • Muss bei uns aufgegessen werden? Und wie gehen wir mit übrig gebliebenen Essen um?
  • Bleiben wir sitzen, bis alle fertig sind?

Das sind nur einige Themen, die uns beim Essen und am Tisch begegnen.

Gemeinsam Essen

Es klingt so gut, alle Mahlzeiten zusammen einzunehmen, dabei die (Familien)Themen des Tages zu besprechen und diese Zeit gemeinsam zu genießen. Das bringt bei uns allerdings immer für mindestens ein Familienmitglied Einschränkungen mit sich. Einer wartet mit knurrendem Magen auf die anderen beiden, oder die übrigen zwei haben noch gar keinen Hunger und schieben ihr Essen mit der Gabel auf dem Teller hin und her.

Wir orientieren uns deswegen was die Zeiten anbelangt überwiegend an unserer Tochter, bei der sich zumindest was die Mahlzeiten anbelangt, ein durchschaubarer Rhythmus eingeschlichen hat. Außerdem mag ich Essen nicht regulieren. Weder was die Zeit, die Menge noch die Auswahl der Speisen anbelangt. Kinder haben so ein gutes Körpergefühl, vor allem was die Kalorienaufnahme anbelangt, da sollten wir ihnen nicht hinein pfuschen und das würde sich mit selbstbestimmter Nahrungsaufnahme auch nicht vereinbaren lassen.

Was auf den Tisch kommt…

Muss bei uns nicht (auf)gegessen werden. Wir sind alle drei so verschieden. Ich selbst bin immer mindestens vegetarisch unterwegs. Papa Kassandra ist Fleischfan und verschmäht gerne mal Obst und Gemüse und Mini mag am liebsten alles was bunt ist oder ihr rot entgegen leuchtet.

„Die Mahlzeit ist nicht der richtige Ort, seine Kinder oder andere Familienmitglieder zu erziehen!“

Wir haben deswegen immer eine breite Auswahl auf dem Tisch, ich schaue meist, was meine Tochter heute nicht bevorzugt und nehme mir davon, damit wir keine Reste haben. Jesper betont die Rolle der Eltern als Gastgeber ihrer Kinder. Nein, nicht als Diener oder Bediener, aber sie sind nun mal bis zu einem gewissen Alter abhängig von uns und wir sollten ihre Vorlieben mit in unsere Speisepläne einbeziehen.

Geschmäcker ausprobieren

Nach Jesper Juul sollen Kinder die Unterschiede kennenlernen. Auch zwischen der Tomate aus dem heimischen Garten und der Zucchini aus Spanien. Und schmecken die Erdbeeren im Winter genau so gut wie im Sommer? Und was ist mit Obst und Gemüse der gleichen Sorte aber in verschiedenen Farben? Schmeckt das gleich, weil es gleich heißt?

Mit Essen spielt man nicht!

Warum nicht? Warum dürfen Babys und Kinder die Lebensmittel, die ihnen vorgesetzt werden und die sie gerade erst kennen lernen nicht erkunden, ertasten, abschlecken, abkauen und wieder ausspucken, beiseite legen und später nochmal davon probieren? Wie sollen sie sonst unterschiedliche Geschmäcker und Konsistenzen kennen lernen?

Trotzdem bin ich froh, dass diese Experimentierphase bei uns mittlerweile vorbei ist und dass Mini mit Begleitung so isst, wie die Gesellschaft es erwartet. Denn je älter die Kinder werden, desto mehr ist man den kritischen Blicken der Mitmenschen, deren Köpfe voll von Glaubenssätzen sind, ausgesetzt.

Wir reisen viel und häufig in ferne Länder. In den Momenten, wenn ich wieder einen abfälligen Blick in meinem Rücken spüre, weil meine Tochter in der Pizzeria mit den Fingern ist, dann erinnere ich mich kurz daran, dass wir so viele verschiedene Esskulturen auf der ganzen Welt haben und dass sie in Thailand oder Kambodscha gerade eine echt gute Figur abgeben würde, was die Tischmanieren anbelangt. Wer legt also fest, was gute Manieren sind? Es lohnt sich hier, wie bei so Vielem anderen auch, ein Blick über den Tellerrand.

Kommentieren, bis der Appetit vergeht!

Jesper Juul schreibt, dass wir den Kindern (und unseren anderen Tischgesellen auch) durch ständige Kommentare und Bewertungen den Appetit verderben können. Und das stimmt. Ich weiß selbst wie ich mich fühle, wenn ich ständig dazu aufgefordert werde, etwas zu probieren, nur weil die Köchin sonst traurig ist oder der Caterer sich nicht gesehen fühlt, mir vergeht dann der Hunger. Anstatt die Kinder mit Fragen zu bombardieren, warum sie nicht essen oder probieren, empfiehlt er klare Ich-Botschaften.

„Mir schmeckt Paprika, ich würde mich freuen, wenn du sie auch mal probierst und mir sagst, wonach sie für dich schmeckt!“

Das lässt mehr Raum für Individualität und eigene Entfaltung.

Und wann dürfen wir aufstehen?

Jeder dann wann er mag und wenn er satt ist. Wir Eltern gehen mit gutem Beispiel voran, stehen während der Mahlzeit nicht auf und bleiben immer sitzen, bis alle fertig sind. Weil wir uns wünschen, dass Mini das irgendwann auch von sich aus möchte.

Einzige Bedingung bei mir ist, dass sie mit ihrem Essen in der Hand oder auf der Gabel am Tisch bleibt. Das hat weniger erzieherische als gefahrenverhütende Gründe. Sie ist so quirlig, da ist es mir einfach zu gefährlich , dass sie sich verschluckt oder verletzt. Außerdem möchte ich nicht den Rest der Zeit bis zur nächsten Mahlzeit mit Putzen verbringen.

Wählerische Kinder

Laut Jesper Juul ist die Mäkeligkeit beim Essen anerzogen. Da bin ich nicht ganz seiner Meinung. Ich glaube viel eher, dass es Menschen und auch Kinder gibt, die nicht nur ihre (Um)Welt ganz intensiv wahrnehmen, sondern auch Geschmack und Konsistenz beim Essen. Auch die Optik spielt vielleicht eine Rolle. Deswegen ist es okay, wenn meine Tochter gewisse Speisen nicht essen und manchmal auch nachdem sie sie mit den Fingern erkundet hat, gar nicht erst probieren möchte. Ich kommentiere das auch nicht, sondern schaue lieber, dass die Auswahl bei Tisch groß genug ist, sodass für jeden etwas dabei ist und die Präferenzen gar kein großes Thema sind. Dann verschwinden sie mit zunehmendem Alter vielleicht allein.

Empfehlung

Wie nahezu alle Texte von Jesper Juul gefällt mir auch dieses Buch wieder besonders gut. Für die nicht ganz so kreativen Kochmuffel hat er auch ein paar nette Rezepttips parat. Außerdem lenkt es den elterlichen Blick nochmal auf Dinge, die für uns Erwachsene so selbstverständlich sind, unsere Kinder aber noch entdecken und lernen müssen.

Wenn du das Buch bestellen möchtest, gelangst du mit einem Klick auf dieses Bild* zu Amazon.


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Der Klappentext

Gemeinsame Mahlzeiten sind eine wertvolle Zutat nicht nur für Nähe und Harmonie in der Familie, sondern auch für die Entwicklung von Kindern. Jesper Juul zeigt, wie es gelingt, dass alle am Tisch sich wohl fühlen und warum eine gesunde, entspannte Ess- und Tischkultur die Lösung vieler Konflikte sein kann. Was ist zu tun, wenn das Kleinkind kein Gemüse und der Teenager nur Spaghetti essen will? Der berühmte Familientherapeut macht Lust auf ausgewogenes Essen zusammen mit der Familie, nicht zuletzt dank einer Auswahl praxiserprobter Rezepte aus seiner skandinavischen Heimat.

Alles Liebe, Isabel!

*mit einem Klick auf den Link gelangst du zu Amazon. Wenn du dort anschließend eine Bestellung tätigst, unterstützt du damit den finanziellen Aufwand, den Fräulein Kassandra- Familienblog entstehen lässt. Selbstverständlich wird dadurch weder meine Meinung noch dein Preis beeinflusst.

5 replies »

  1. Tolle Rezension des Buches. Meine Buchvorstellung erscheint auch bald im Blog, denn ich widme mein Augenmerk dieses Jahr auf Jesper Juul.

    Wer mehr über ihn wissen möchte kann sich gerne bei mir im Blog umschauen.

    Unsere Tischmanieren ähnelt euren sehr. Falls man von Manieren überhaupt schreiben kann.

    Mehr dazu gern hier https://kellerbande.wordpress.com/2017/07/07/tischmanieren-oder-10-kleine-regeln-fuer-ein-harmonisches-essen/

    lg Anja von der Kellerbande

    Gefällt mir

    • Hallo Anja, danke für deinen Kommentar! Ich finde das Buch wirklich gelungen. Es gibt viele Tipps und Anregungen, aus denen sich jeder das aussuchen kann, was er braucht 😊

      Gefällt 1 Person

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