Geschichten aus dem Leben

Own less, have more! -Wie werde ich eigentlich Minimalist?

Wie schaffe ich es, mich von Vielem zu trennen, aber in der Summe trotzdem mehr zu haben? Und was brauche ich überhaupt um glücklich sein zu können? Eine spannende Frage, mit der ich mich nun schon eine Weile auseinandersetze. Im letzten Jahr haben wir konsequent ausgemistet und uns von Dingen, die wir nicht unbedingt brauchen oder die uns nicht glücklich machen, verabschiedet. Die neu gewonnene Freiheit bringt gleichzeitig eine große Unbeständigkeit mit sich. Wir haben keine Verpflichtungen mehr, aber auch keine Garantie. 

Mit einem kleinen oder fast gar keinem Hausstand umzuziehen fühlte sich allerdings sehr komfortabel an. Zu wissen, dass in den paar verbliebenen Kisten nur das drin ist, was uns wirklich wichtig ist, gibt mir ein gutes Gefühl. Und doch habe ich das Vorhaben, beim Auspacken nochmal genau hinzuschauen und ein zweites Mal zu bewerten, ob wir nicht noch auf irgendetwas von diesen Dingen verzichten können.

Grund war aber nicht nur unser Umzug, sondern auch der Wunsch, ein einfacheres und bewussteres Leben ohne Balast zu führen. Gefolgt von den vielen kleinen und großen Dingen sind wir auch unsere Basis losgeworden. Nachdem wir, um mehr Freiheit zu genießen, unser Haus verkauft haben war nicht nur das Gebäude, in dem wir gerne gewohnt haben, weg, sondern auch die noch offenen Schulden im Rahmen der Kaufpreisfinanzierung. Genau so wie ich den Hauskauf damals im Hinterkopf als Belastung empfunden habe, so habe ich den Verkauf nun als Befreiung wahrgenommen. Je mehr Zeit vergeht, desto zufriedener sind wir mit dieser Entscheidung, die wir erst nach vielem grübeln getroffen haben.

Weniger Ballast schafft Klarheit

Nicht nur das Haus ist seitdem wir ausgemistet haben aufgeräumt, sondern mein Kopf gleich mit. Jahrelang habe ich auf dieses Schlüsselerlebnis gewartet. Mit weniger zurecht kommen wollte ich eigentlich schon immer, aber irgendwie habe ich den Schritt nie gewagt, weil ich nicht wusste, wie ich damit anfangen kann. Der Hausverkauf und unser Umzug haben mir maßgeblich dabei geholfen, diesen Weg zu gehen.

Individueller Minimalismus

Minimalismus lese ich überall. Auch den Slogan ‚Weniger ist mehr‘. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Das kann ich gar nicht in Worte fassen, denn es ist wirklich sehr unterschiedlich. Zu Beginn habe ich mich noch gefragt: Wie viele Teile darf ich besitzen? Ist ‚Krimskrams‘ erlaubt und wenn ja, wie viel davon? Kann ich viele Sachen besitzen und trotzdem Minimalist sein? Was zeichnet einen echten Minimalisten aus und was sind die No-Go’s?

Und in wie viele Kisten muss das alles reinpassen?

Heute sind das nicht mehr die Fragen, die ich mir stelle, sondern ich möchte mich viel eher jeden Tag für eine bewusste Lebensführung entscheiden, in der mein Mann und meine Tochter einen großen Platz einnehmen. Wie wir das bereits zu Beginn jeden Tages umsetzen liest du in meinem Beitrag zur unseren Slow Mornings. Minimal zu sein bedeutet für mich eher eine Haltung, die ich täglich lebe und ist nicht messbar an den Kartons, die ich noch mit meinem Hab und Gut füllen könnte.

Minimalistisch kann ich in nahezu jeder Situation im Alltag und im Leben sein. Indem ich kurz in mich gehe und vor meiner Entscheidung etwas zu tun, zu kaufen, etwas zu benutzen oder etwas zu konsumieren und zu verschwenden überlege, ob das wirklich nötig ist und wie wichtig mir das gerade ist. Brauche ich das jetzt für mich? Diese Haltung möchte ich mir gerne für die Zukunft bewahren, daran arbeiten und die neu gewonnene Ordnung nutzen, um darauf aufzubauen. Zugegeben, mit den wenigen Teilen, die noch übrig sind, ist das auch gar nicht so schwer.

Own less, have more!

Den Spruch habe ich irgendwo mal aufgeschnappt. Das klingt so einfach. Und gleichzeitig doch kompliziert. Mit dem Entsorgen von Dingen, die man sowieso schon seit Jahren nicht mehr verwendet hat, oder Kleidung, die seit Monaten ungetragen im Schrank hängt, ist es nicht getan. Minimaler zurecht zu kommen mache ich nicht nur von Dingen, Besitz und Hab und Gut abhängig, sondern auch von meinem Inneren. Ich möchte mich nicht mehr an etwas aufhalten, was mich nicht weiter bringt und dabei unnötig Ressourcen bindet. Sondern ich möchte mich Themen und Menschen widmen, mit denen ich Gemeinsamkeiten habe und durch Verbindung wachsen kann.

Der erste Schritt, der mir nach der Entrümpelung unseres Hauses und damit auch unseres Lebens zu Genügsamkeit verholfen hat, ist die mehrwöchige Reise, zu der ich diese Woche ganz alleine mit meiner Tochter aufgebrochen bin. Wir haben wenig mitgenommen, kommen gerade mit noch weniger aus und wissen nun, dass auch ein kleiner Rucksack für zwei Personen völlig ausreicht. Was uns das sonst noch gebracht hat? Dazu erfährst du bald mehr, hier auf dem Blog.

Wie werde ich denn nun Minimalist? Große Ziele und Vorsätze sind meistens zum scheitern verurteilt, das ist meine persönliche Erfahrung aus der Vergangenheit, daher habe ich auch hier ganz klein begonnen. Auch mit guten Vorsätzen für das neue Jahr habe ich mich dieses Mal zurückgehalten und lieber überlegt, wie ich mehr Energie in Selbstfürsorge investieren kann. Meinen ersten Tipp für einen minimalen Alltag habe ich eben schon verraten, hast du’s gemerkt?

Prioritäten setzen

Das war mein erster Schritt in die richtige Richtung. Mich nur mit Dingen zu beschäftigen, die mich bereichern, die mich glücklich machen und mich nicht mehr an Sachen aufzuhalten, die mich ausbremsen und unnötig Ressourcen binden.

Ein leerer Terminkalender

Trotzdem haben wir Termine. Das bringt das gesellschaftliche Leben mit sich. Wir sind gerne unterwegs, vernetzen uns und treffen auf nette Menschen. Zeitliche Vereinbarungen treffe ich trotzdem kaum bis selten. Das Zusammenleben mit meiner Tochter hat sich dadurch merklich entspannt und wir sind zufriedener und ausgeglichener, seit wir uns in unseren Abläufen nicht mehr fremdbestimmt fühlen und spontan entscheiden können, was uns gerade gut tut. Die erste Maßnahme war allerdings, alle kommenden Termine, die mir Bauchweh und Kopfzerbrechen bereitet haben, einfach abzusagen.

Ballast loslassen und…

Uns von Dingen zu trennen, die uns nicht glücklich machen, war im Nachhinein betrachtet nicht so schwer. Sich auch mental von überschüssigem Ballast und zehrenden Gedanken zu verabschieden hat etwas mehr Energie erfordert, die wir allerdings jetzt im Ergebnis doppelt zurück erhalten. Es lohnt sich, wirklich!

Mit meinem emotionalen Speicher haushalten

Ich nehme mir nur noch kleine Dinge Schritt für Schritt vor, um Überforderung zu vermeiden. Ebenfalls überlege ich mir ganz genau, mit wem ich meine emotionalen Kapazitäten teile, wo dabei Bereicherung entsteht und ob das auf Austausch beruht. Sei dir selbst gut!

…neue Bürden vermeiden

Dazu gehört auch, meine Mitmenschen mit Informationen darüber zu versorgen, wie ich derzeit mein Leben gestalte. Wir haben uns von so Vielem getrennt – nicht um Platz für Neues zu schaffen, sondern um mit weniger auszukommen. Wir möchten niemanden zurückweisen, Geschenke in Form von Sachen und Dingen (auch für unsere Tochter) möchten wir derzeit aber trotzdem nicht erneut anhäufen und das kommunizieren wir auch. Außerdem überlege ich genau, was ich leisten kann und was mir im Moment zu viel ist, um nicht wieder in eine Spirale aus Belastung und Überlastung zu rutschen.

Ich möchte mich ganz bewusst davon trennen, mein Glück in materiellen Dingen zu suchen. Schon gar nicht in bergeweise Kleinigkeiten. Erfüllung finde ich in Momenten, in Gemeinsamkeiten. Chancen sehe ich in fair ausgetragenen Konflikten. Sie schenken Möglichkeiten und Wachstum. Mit dieser Erkenntnis lebt es sich leichter, einfacher – eben minimaler. Sei dir ebenfalls gut!

Alles Liebe, Isabel!

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13 replies »

  1. Ich habe gerade deinen Blog ein wenig durchstöbert und muss sagen: Da bekommt man gleich Lust, alles hinzuschmeißen und aufzuräumen! 😀 Ich finde aber auch deine Ansätze sehr schön und nachvollziehbar, vor allem, dass Minimalismus auch gedanklich stattfinden soll und individuell ist. Ich bin gespannt auf die Artikel, die noch folgen 🙂

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