Elternsein

Ein Kind kommt nicht für seine Eltern zur Welt!

Für diese Erkenntnis habe ich eine Weile gebraucht. Lange hatte ich das Gefühl, als Mutter immer nur zu geben und zu geben und nichts dafür von meiner Tochter zurück zu bekommen. Mittlerweile weiß ich gar nicht mehr so genau, was ich eigentlich von ihr haben wollte. Außer, dass sie einfach da ist und sein kann. So wie sie ist. Mit ihren Besonderheiten. Mit ihren Eigenheiten. Mit ihrem Charakter und ihrem Willen. Ihren Stärken und ihren Schwächen. Und allem, was zu ihr gehört.

Sie bringt mich zum Lachen und zum Weinen. Sie heitert mich auf und macht mich zugleich oft auch traurig. Und heute wünsche ich mir statt Wellness einfach nur ein paar Stunden ungestörten Schlaf. Die Prioritäten verschieben sich mit einem bedürfnisstarken Kind. Das hat mich die Zeit gelehrt.

Woher kommt dann diese Erwartung, dass Kinder etwas zurück geben?

Wenn ich mal zurück denke an die Zeit vor der Geburt, dann hatte ich wahrlich abstruse Vorstellungen vom Elternsein und von einem Bilderbuchbaby, das ich nicht bekommen habe. Meine Enttäuschung habe ich für mich behalten. Zu groß war die Scham nach einer langen Zeit und einem ewig anhaltenden unerfüllten Kinderwunsch, dass mich jemand für meine Gedanken verurteilt.

Heute weiß ich: das ist gut so! Es ist gut, dass meine Tochter mich fordert. Dass sie nicht bequem und genügsam ist. Dass sie weiß was sie will, dass sie ihre Bedürfnisse mitteilt.

Woher kamen diese Vorstellungen von diesem Bilderbuchbaby, das die Nächte durchschläft, niemals weint, sich auch mal ablegen lässt, eine unkomplizierte Beikosteinführung annimmt, das ohne Anstalten im Auto mitfährt und noch so viel mehr? Nicht nur aus Film und Fernsehen, sondern aus der realen Welt. Aus meiner Welt, die mich in der Kinderwunschzeit, während der Schwangerschaft und auch noch nach der Geburt umgeben hat. Eine Welt, von der ich mich mittlerweile abgrenzen und distanzieren kann.

Kinder machen Eltern glücklich!

Wer Mama oder Papa ist, der muss somit auch glücklich sein. Die Rechnung ist doch ganz einfach. Nur bei uns ist sie nicht aufgegangen. Kinder machen nicht nur glücklich, manchmal nerven sie auch oder treiben einen an den Rande des Wahnsinns. Manchmal machen sie uns unendlich traurig. Und im nächsten Moment verzaubern sie uns wieder, damit wir das Chaos und den Zorn vergessen.

Es ist ein auf und ab, von dem niemand spricht. Gesellschaftlichem Druck sei Dank und der hagelnden Kritik, wenn Eltern zugeben, dass es nicht so läuft wie es bei allen anderen klappt. Ein tobendes Kind ist ein Zeichen von Inkosequenz, ein Nächte lang nicht schlafender Säugling das Resultat von nicht ausreichender Milch und ein nicht im Kinderwagen fahrendes Baby das Ergebnis von ein paar Minuten zu viel im Tragetuch. Aber auch diese Rechnung ist zu einfach.

Zuzugeben nicht glücklich zu sein, ist der Ausdruck des Versagens schlechthin. Zumindest für eine Mutter.

Eltern werden ist einfacher als Eltern zu sein!

Eltern sein bedeutet unter Umständen, Monate oder gar Jahre lang nicht richtig zu schlafen, immer verfügbar zu sein und die Selbstfürsorge auf ein Minimum zu reduzieren. Ohne dafür etwas zurück zu bekommen. Das Muttersein macht mich rückblickend in erster Linie fertig. Und zwar richtig. Ich fühle mich fremdbestimmt, weil ich als Mutter meine Wünsche und Bedürfnisse eher aufschieben kann, als mein kleines Kind. Und das stört mich gewaltig. Trotzdem nehme ich es so an.

Annehmen was ist

Aber all das gehört zum Elternsein dazu. Genau wie die vielen schönen Momente, die mich die Anstrengungen, die Müdigkeit, das Gefühl des Versagens und noch so viel mehr für einen kurzen Augenblick vergessen lassen, bis der Alltag uns wieder einholt.

Ich habe mich lange gefragt, warum ich seit ich Mutter bin so empfindlich und sensibel geworden bin. Vielleicht weil eine Eltern-Kind-Beziehung etwas ganz besonderes, exklusives ist? Weil sie untrennbar ist? Weil diese besondere Liebe auch eine große Verletzlichkeit mit sich bringt?

Nicht alle Eltern sind glücklich, und das müssen sie auch nicht sein!

Zumindest nicht dauerhaft. Und das ist in Ordnung so. Nicht nur in Erwachsenenbeziehungen gibt es Höhen und Tiefen, sondern auch in der Familie. Die Erkenntnis, dass meine Tochter nicht dafür da ist, mich glücklich zu machen, sondern dass es einzig meine Aufgabe ist, sie bedingungslos zu lieben, lässt mich entspannter durchs Leben gehen. Sie hat sich uns als Eltern nicht ausgesucht, aber wir haben uns bewusst für sie entschieden. Mit allem, was dazu gehört, auch mit den Dingen, die uns vorher niemand über das Elternsein verraten hat.

Alles Liebe, Isabel!

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