Minimalismus

KonMarie-inspirierter Minimalismus, so reduzierst du deinen Familienbesitz ohne etwas wegzuwerfen

Wie habe ich mehr, obwohl ich eigentlich weniger besitze? Wie trennen wir uns von Dingen, die wir nicht mehr brauchen, die uns vielleicht belasten und den Raum für Neues nicht frei machen? Wie geht das, ohne Müll zu produzieren und weiter die Wegwerfgesellschaft anzukurbeln? Wie kann ich mit Dingen, die ich selbst nicht mehr benötige, anderen helfen? Das waren Fragen, die wir uns gestellt haben. Einfach kann jeder und deswegen war das bestellen eines Containers für uns die letzte Option.

Es wird minimalistischer, dezenter, kleiner. Und vor allem wird die immer älter werdende Mini einen größeren Platz einnehmen. Damit meine ich mehr Raum. Räume, die montessoriinspiriert eingerichtet und daher auf ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten abgestimmt sind, wünsche ich mir. Wir treten ein wenig mit unseren Erwachsenen Wünschen zurück. Mini soll mehr Raum zur Entfaltung finden, obwohl wir eigentlich minimieren.

Nur aussortieren und wegwerfen war mir allerdings nicht nachhaltig genug. Wir haben schließlich keinen Müll gehortet, sondern tolle und schöne Dinge, die nicht weniger wertvoll sind, nur weil wir sie nicht mitnehmen können ins neue zu Hause.

Um mir einen Überblick zu verschaffen und zu entscheiden, was wir wirklich brauchen und was nicht, hilft mir die ‚Konmarie‘-Methode der japanischen Aufräumkönigin Marie Kondo. Die Strategie:

Ich behalte nur das, was mich/uns wirklich glücklich macht!

Das klingt ja schon fast zu einfach. Da mich nicht alles glücklich macht, was wir brauchen, wandle ich diesen Vorsatz ein wenig ab in:

Wir behalten alles was wir wirklich brauchen oder was uns wirklich glücklich macht!

So oder so ähnlich versuche ich es bereits seit einiger Zeit. Wir brauchen mehr Platz wäre der falsche Einstieg. Besser passt: wir haben keinen Platz (mehr) und dafür zu viel Hab und Gut. Unser Haus ist verkauft, langsam wird mir das so richtig bewusst. Nach unserer Rückkehr aus Asien Anfang des neuen Jahres müssen wir unser Heim verlassen. Wobei ‚müssen’ sehr gezwungen klingt, wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, diesen Balast loszulassen. Wo es uns genau hin verschlägt wissen wir noch nicht. Was wir aber wissen: es wird kleiner. Sehr viel kleiner. Kein Dachboden mit viel Stauraum, kein Keller mit zahllosen Regalen und Schränken für die kleinen Dinge, von denen wir uns seit Jahren nicht trennen können. Keine Garage in der kein Platz mehr für ein Auto ist, weil sie vollsteht mit den großen Dingen, die wir bestimmt nochmal irgendwann brauchen. Nicht.

Bisher hatte mich das Ergebnis allerdings nicht überzeugt. Wir sind zunächst Raum für Raum vorgegangen, was dazu geführt hat, dass Dinge wieder beiseite oder in eine vielleicht-Kiste gelegt wurden. Oder gar in ein anderes Zimmer, was wir eigentlich schon auf Vordermann gebracht hatten. Am Ende waren alle Räume entrümpelt, aber immer noch nur minimal weniger Hab und Gut vorhanden. Deswegen versuche ich es nochmal. Mit Marie Kondos Methode. Erst wird alles entrümpelt und was dann noch übrig ist, wird sortiert. Denn das macht erst Sinn, wenn ich nichts mehr Unnützes besitze.

#1 Nach Kategorien ausmisten

Der Versuch Raum für Raum vorzugehen hat nicht geklappt. Jetzt gehen wir nach Kategorien vor. Wir haben einen provisorischen Ablageort bestimmt für Dinge, die wir nicht mehr brauchen und die uns nicht glücklich machen, aber die einen anderen Besitzer finden sollen. Wegwerfen ist die letzte Option.

Dann habe ich eine Themenliste erstellt, nach der wir vorgehen werden:

  • Dokumente und Papiere
  • Küche
  • Schuhe
  • Taschen
  • Dekoration
  • Kleidung
  • Bücher/Fachliteratur

Ich beginne mit den weniger sentimentalen Dingen. Dementsprechend ist auch meine Themenliste gegliedert. Marie Kondo sagt, dass wir sonst nicht voran kommen, wenn wir mit unseren liebsten Dingen beginnen. Dann nehme ich mir alle Teile eines Themas vor, die sich bei uns zu Hause befinden. Und damit meine ich wirklich alle.

#2 Themenbasiert werden große Haufen gebildet, die anschließend sortiert werden

Dafür haben wir in jedem Raum einen ‚thematischen Berg’ etabliert und alle zugehörigen Dinge zusammengetragen. Dabei arbeite ich mich von den weniger geliebten Teilen zu potenziellen Lieblingsstücken hervor und nehme alle Gegenstände ausführlich in die Hand und betrachte sie. Jetzt kann ich mir Gedanken darüber machen, ob ich das gute Stück wirklich brauche. Anstatt danach zu schauen was mich nicht glücklich macht, wird der Blick für das Positive bewahrt.

Was macht uns wirklich glücklich? Und was brauchen wir wirklich?

Das gefällt mir ebenfalls.

  • Wann hab  ich das Teil zum letzten Mal benutzt?
  • Macht es mich glücklich?
  • Brauchen wir das wirklich zum Leben?

Mit einer Verabschiedung fällt es oft leichter. Mit vielen Dingen verbinden wir schöne Momente und Erinnerungen und das ist auch gut so. Mit einem kleinen ausgesprochenen Dank, wenn auch nur in Gedanken, fällt die Trennung leichter.

#3 Alles hat seinen festen Ort und wird sichtbar abgelegt

Bei uns sind das aufgrund des nahenden Umzugs erst mal Kartons, gut beschriftet und nach Themen sortiert. Später bekommt alles einen festen Platz, an dem wir es finden und nach Gebrauch auch wieder ablegen. So erhalten wir die neu geschaffene Ordnung und das Bewusstsein darüber, was sich eigentlich in unserem Besitz befindet.

B532448A-6101-44D2-A229-52D4E1685113

Mein Fazit zu KonMari:

Es funktioniert. Schnelle und sichtbare Aufräumerfolge haben mich motiviert dran zu bleiben und noch genauer hinzuschauen. Auch die neue Ordnung, die wir zwischen Umzugskartons und gepackten Koffern kurzfristig hergestellt haben, lässt mich in freudiger Erwartung auf unser neues Heim blicken. Da sind so viele Dinge, die ich noch umsetzen möchte. Zum Beispiel die vertikale Anordnung im Kleiderschrank. Besitztümer mit Respekt und Dankbarkeit behandeln klang für mich erst mal seltsam. Ich habe meinen Schuhen am Abend noch nie gesagt, dass ich es nett fand, dass sie mich heute durch den Tag getragen haben. Dabei würde ich mir auch etwas komisch vorkommen. Dass ich meine Jacke allerdings vernünftig an der Garderobe aufhänge anstatt sie achtlos auf den Hocker neben der Haustür zu werfen, damit kann ich arbeiten.

Wegwerfen und Müll produzieren liegt mir nicht, denn oft finden Dinge, die ich selbst nicht mehr benötige woanders Verwendung, schenken Freude oder werden gar Dringend gebraucht. Bei uns waren überwiegend Kleidung und Möbel übrig, aber auch Dekoration und Kücheninventar. Der einmalige Besuch auf der örtlichen Müllkippe, um defekte Elektronik zu entsorgen, hat mein Vorhaben, für unser Hab und Gut einen neuen Besitzer zu finden, nochmal  bestätigt.

Das ist auch der Aspekt, der mir bei der einflussreichen Marie Kondo fehlt: Nachhaltigkeit und das Bemühen, einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck auf unserer Erde zu hinterlassen. Dieses erste-Welt-Problem der Wegwerfgesellschaften greift sie leider gar nicht auf.

Dafür mache ich das im Folgenden. Hier kommen meine Tipps, wie du dich nachhaltig und ohne Müll zu produzieren von Dingen trennst, die du nicht bei dir behalten kannst.

Kleidung spenden

Wir haben nicht die üblichen Kleiderkontainer gewählt, sondern regionale Hilfsorganisastionen. In der schon seit ewig aufbewahrten und kaum getragenen Umstandsmode machen es sich nun andere Frauen bequem. Viele weitere Kleidungsstücke bringt ein Nachbar persönlich in ein rumänisches Dorf, was er jährlich um die Weihnachtszeit besucht.

Babykleidung verschenken

Vor einiger Zeit habe ich mich im Kleidungsverkauf auf dem Flohmarkt probiert. Weniger erfolgreich. Das scheint auch irgendwie nicht mein Ding zu sein.  Dafür schenke ich unsere lieb gewonnenen Sachen die ich damals mit viel Sorgfalt für Mini ausgesucht habe lieber Menschen die ich kenne oder denen, die sie dringend brauchen. Die örtliche Tafel reicht die gepackten Körbe u.a. an die Flüchtlingshilfe weiter.

Möbel an gemeinnützige Vereine spenden

Nicht nur Kleidung kannst du spenden, sondern auch Möbel und Inventar. Bei uns holt die Caritas die Sachen sogar ab und demontiert sie selbstständig. Auch der Aufbau ist für den Empfänger kostenfrei. Bei uns im Ort waren die Menschen lange von Schäden eines Hochwassers betroffen, da konnten wir mit unseren Möbeln gute Unterstützung leisten. Ein Bett ist bereits abgeholt, weitere Stücke sind reserviert und warten auf Abholung.

Am Ende ist nur wenig von den Dingen übrig geblieben, von denen wir uns trennen möchten, denn ein großer Teil hat einen neuen Besitzer gefunden.

Für die Zukunft habe ich mir noch Folgendes vorgenommen, damit sich gar nicht mehr so viel anhäuft, was dann  irgendwann wieder ausgemistet werden muss:

  • Kontoauszüge und Papierkram von Versicherungen nur noch digital ablegen, die meisten Banken und Versicherungen bieten das von sich aus an.
  • Dokumente nur noch aufheben, wenn sie noch irgendeine Relevanz für die aktuelle Steuererklärung haben.
  • Ansonsten: einscannen und digitale Ablagen erstellen.
  • Kleidung ‚stehend‘ ablegen, damit mir der Überblick nicht verloren geht und mir Fehl- und Doppelkäufe künftig erspart bleiben.
  • Pflegeprodukte im Badezimmer kaufe ich nicht mehr auf Vorrat, sondern erst dann, wenn sie leer sind oder zumindest auf dem Weg dorthin. Einen Teil machen wir auch selbst.
  • Auch in der Küche horten wir keine Lebensmittel mehr. Die Wochenschnäppchen im Discounter sind zwar verlockend, aber wenn später die Hälfte davon entsorgt wird, weil sie schlecht geworden sind, bringt mir das mehr Unordnung als Einsparung und dazu noch Verschwendung.
  • Kaputte und länger nicht benutze Dinge kommen sofort weg (verschenken), es gibt keine „vielleicht brauche ich das später noch“ – Kisten mehr.
  • Elektronik reicht in einfacher Ausführung, insbesondere Ladekabel. Je mehr wir davon haben, desto öfter suchen wir diese.

Seid ihr auch schon mal im Aufräum- und Ausmistefieber gewesen? Wie seid ihr vorgegangen? Planlos oder mit Plan? Wie hat‘s geklappt? Ich bin gespannt wie ich dieses Konzept im neuen Zuhause umsetzen kann und welche von Marie Kondos Tipps und Vorschlägen dort Anwendung finden werden.

Alles Liebe, Isabel!

 

E9F2EE4A-B4B5-4E5B-8C98-A08BF2B771FD

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s