Achtsamkeit · Elternsein

Slow Family – bis ich endlich gemerkt habe, dass wir morgens alle ein wenig mehr Zeit brauchen. Und mehr Achtsamkeit beim Start in den Tag.

Der erste Schritt zu einem entspannten Tag ist der langsame Morgen. Nicht umsonst wird dem ersten Kaffee des Tages eine so große Bedeutung zugeschrieben. Was für uns Ruhe bedeutet, ist für Kinder oft anstrengend. Was für uns entspannend ist, verlangt Kindern höchste Konzentration ab.

Seit Mini da ist habe ich meist keinen ersten Kaffee. Schon gar nicht in Ruhe und oft fällt er einfach aus. Genau wie die vielen anderen Tipps und Ideen, die für einen entspannten Start in den Morgen und für einen achtsamen Tag vorgeschlagen werden. Kinder kennen zwar unheimlich gut ihre eigenen Gefühle, spüren Erschöpfung, merken wenn sie Nähe und Zuneigung brauchen, aber haben noch nicht die Erkenntnis, dass die Menschen um sie herum ebenso eine kurze Erholung benötigen.

Und trotzdem ist Achtsamkeit möglich. Und nicht nur das, sie ist auch sehr wichtig. Nur wenn du achtsam mit dir selbst bist, bist du achtsam mit den Menschen um dich herum.

Was bedeutet Achtsamkeit für mich?

Achtsamkeit oder achtsam mit mir selbst sein ist für mich das Leben im Hier und Jetzt. Klingt ziemlich einfach, aber meist ist es doch etwas komplizierter sich frei zu machen. Frei von Gedanken, die mich über die Vergangenheit grübeln und über die Zukunft sorgen lassen. Achtsam bin ich dann, wenn ich den Moment bewusst wahrnehme. Was schmecke ich da eigentlich beim Essen? Was rieche ich, wenn ich über den Deich ans Meer trete und mir eine frische Brise um die Nase weht? Was fühle ich, wenn ich meine Tochter im Arm halte?

Mein persönlicher achtsamer Moment am Morgen

Manchmal, wenn mir danach ist schon mal alleine aufzustehen und Mini in den Morgenstunden, wenn zur dunklen Jahreszeit die Sonne noch nicht aufgegangen ist, nutze ich das wenn auch nur kurze Zeitfenster und stehe auf.

Ich bereite mir einen leckeren Kaffee zu. So wie ich ihn gerne trinke. Mit Sojaschaum und Kakaosträuseln. Setze mich im Wohnzimmer auf den Teppich ans Fenster und schaue raus in die Dunkelheit. Ich zünde mir eine Kerze an. Manchmal habe ich die Chance ein paar Regentropfen an der Scheibe zu beobachten. Wir mögen zwar Sonne und gutes Wetter, aber hier sind sie gerade sehr nützlich. Die am Fenster herab rinnenden großen und kleinen Tropfen. Manchmal kann ich dort so lange sitzen, bis der erste Sonnenstrahl am Nachbarhaus vorbei scheint und mich ein wenig blendet. Und dann genieße ich den sich in meinem Mund auflösenden Milchschaum, gefolgt vom Kaffee mit starker Bohne. Ich löffle den Kakao von der Schaumdecke ab und schließe anschließend einen Moment die Augen.

Selten kann ich so ‚slow‘ meinen eigenen Tag beginnen. Zu schnell wird es ‚unser‘ Tag. Immer dann, wenn Minis innere Uhr sie zum Wachwerden bewegt.

Für den Fall, dass ‚mein’ Kaffee ausfällt habe ich einige Ideen zusammengetragen, die mir helfen, meine eigene Achtsamkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Für unseren gemeinsamen Start in den Tag habe ich mir einen Rahmen gesteckt, der mir hilft, langsamer in das sich schon vor dem Aufwachen drehende Alltags-Rad einzusteigen.

#1 Kein Handy im Schlafzimmer

Oft habe ich morgens die Zeit genutzt, mich zu informieren, vor allem noch den News vom Vortag hinterher zu jagen. Aus Angst etwas verpasst zu haben. Das hat mich schon morgens in Hektik versetzt, immer von dem Gedanken verfolgt, dass ich noch nicht alles gelesen und entdeckt habe, bis Mini wach wird. Das hat mir übrigens auch abends oft das Einschlafen erschwert, wenn ich noch ein paar Minuten unter der Bettdecke vom hellen Display angestrahlt wurde. Stattdessen beobachte ich meine Tochter. Wie sie da liegt. Und vermutlich gleich langsam aufwachen wird. Wenn sie sich nochmal von rechts nach links kugelt, mit geschlossenen Augen. Wenn sie blinzelt und merkt, dass die Sonne schon aufgegangen ist und der neue Tag für sie und mich beginnt. Sie hat eine Intuition, stets mit der Sonne aufzuwachen. Dann sagt sie meistens ‚Mama‘. Mehr Achtsamkeit gibt es für mich gar nicht.

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#2 Den Tag so nehmen, wie er kommt

Egal ob mit Sonne und Wärme oder mit Sturm, Regen und Kälte. Früher habe ich mich oft darüber geärgert, dass an freien Tagen schlechtes Wetter war und wir nicht nach draußen können. Heute denke ich kurz daran, dass wir gleich nach unten gehen, das am Abend vorbereitete Holz im Kamin anfeuern und einen Moment in die Flammen schauen. Erst sind sie klein und ruhig. Wie eine Kerze. Dann lodern sie schneller, höher und intensiver. Mit dem Tanz der Flammen spüren wir die Wärme, die uns heimsucht.

#3 Ein achtsamer Umgang mit dem Körper

Allzu oft umarme ich Menschen im Alltag oder werde umarmt. Eine routinierte Geste zur Begrüßung und zum Abschied. Fernab von Achtsamkeit und Intensität. Wenn ich meiner Tochter morgens begegne, wenn sie aufwacht und ich schon lange wach neben ihr sitze, dann nehmen wir uns in den Arm. Sie ist voller Freude, über den neuen Tag, über mich, wie ich dort sitze und auf sie warte und vermutlich über Vieles mehr, was sie mir noch nicht erklären kann. Und dann möchte sie eine Umarmung. Ich konzentriere mich darauf, was ich in diesem Moment spüre. Ich halte einen Moment inne und genieße die Nähe. Auch das kann ein achtsamer Start in den Tag sein.

#4 Ein Getränk am Morgen als Ritual für einen gemeinsamen Start

Auf der Suche nach einer schnellen Alternativen, die ‚slow‘ zubereitet werden kann, ohne in Hektik zu geraten oder großen Arbeitsaufwand einzuplanen. Das ist bei uns ein selbst zubereiteter Tee, die Kräuter schneiden wir auf der Fensterbank ab und übergießen sie mit heißem Wasser. Ich genieße bewusst ein paar Schlucke aus meiner Lieblings-Teetasse, Mini aus ihrer Lieblings-Trinkflasche. Frische Minze schmeckt uns beiden.

#5 Das Frühstück als wichtige Mahlzeit

Ein gesundes, ausgewogenes Frühstück hat bei uns schon immer seinen Platz gefunden. Früher haben wir vor allem am Wochenende gerne mehr als eine Stunde mit einer gemeinsamen Mahlzeit den Tag begonnen. Heute sitzen wir dabei nicht immer am Tisch, sondern lesen Bücher, streicheln Stoff-Löwen und lösen Steckpuzzle. Mit Kind verändern sich die Dinge. Und auch hier lässt sich Achtsamkeit finden: ich schmecke das Fruchtfleisch im Orangensaft ganz bewusst. Ich rieche den frischen Kaffee und schmecke was ich esse.

Achtsamkeit kann Vieles sein

Wir sind immer dann achtsam mit uns selbst, wenn wir genau in uns hinein horchen. Stress und Ängste verschwinden, sogar Schmerzen können gelindert werden. Bewusste Achtsamkeit hilft mir, ein Bewusstsein für eingeschliffene Alltagsroutinen zu finden und diese zu hinterfragen und neue Wege zu finden.

Alles Liebe, Isabel!

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