Elternsein

Let’s talk about | Einschlafbegleitung

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Kennt ihr die Blogs Wunschkindwege und Zwischen Windeln und Wahnsinn? Nadine und Düse rufen zur Teilnahme an ihrer Beitragsreihe „Let’s talk about“ auf, dieses Mal geht es um das Thema Einschlafbegleitung.

Da mache ich gerne mit, denn (Baby)Schlaf ist ja bekanntlich ‚mein‘ Thema. Ich erzähle euch heute, wie die Abende und Nächte bei uns aussehen, dass wir eigentlich keinen gemeinsamen Schlaf finden und dass wir alle ziemlich müde und erschöpft sind. Aber von vorn.

Mein Baby schläft nicht ein

Begleitet haben wir eigentlich von der ersten Nacht an. Wenn auch mit einem etwas holprigen Start. Denn mit dem Wissen von heute, wir sind da ganz schön naiv der Angsmacherei des Fachpersonals auf den Leim gegangen, hätte Mini im Krankenhaus nicht im Plastikbett neben der Couch von Papa im Familienzimmer geschlafen. Sondern da, wo Neugeborene hingehören: eingekuschelt bei ihren Eltern.

Mein Baby schreit

Dass unsere Tochter ein ‚Schreikind‘ oder anders beschrieben ein hochbedürftiges Kind ist, das wussten wir damals noch nicht. Dass ihr Papa all die Nächte im Krankenhaus mit ihr auf dem Flur auf und ab gelaufen ist, geschaukelt, getragen und gesungen hat, das hat uns zu diesem Zeitpunkt zwar Kraft und Energie gekostet, aber eine Ahnung, was da auf uns zukommt, und vor allem wie lange das dauert, hatten wir noch nicht. Heute wissen wir: es hält immer noch an. Ende nicht absehbar. Erschöpfung fühlbar.

Von romantischen Vorstellungen und der echten Realität

Schnell stellt sich heraus, dass wir uns von unserer romantischen Vorstellung, verliebt auf ein friedlich in einer Wiege schlafendes Baby zu schauen oder tagelang im Wochenbett eingekuschelt zwischen Kopfkissen und Bettdecke gemütlich zu liegen und die Zeit zu genießen, verabschieden können.

An Schlaf war nicht zu denken. Weder bei uns noch bei Mini. Unzählige Nächte sind wir Stunden mit ihr tragend auf und ab gelaufen. Auch die aufgesuchte

Schreiambulanz

war uns keine große Hilfe. Bis auf eine dogmatische Anleitung, wie Babys und Kinder mit einem ausgeklügelten Schlaflernprogramm und dem Entzug von nächtlicher Nahrung auf den rechten Weg gebracht werden sollen, kam nicht viel bei den Gesprächen herum. Stattdessen haben wir erst mal auf die immer wieder genannten magischen Grenzen gesetzt, an denen sich angeblich alles ändert: nach drei Monaten, nach sechs Monaten. Aber auch weit nach einem Jahr Eltern-sein hat sich zwar etwas verändert, aber keine Normalität eingestellt, wie wir sie erwartet haben.

Noch heute begleiten wir das Einschlafen und die gesamte Nacht sehr intensiv.

Mehrmals in der Nacht. Wenn abends draußen mal wieder eine Mülltonne auf die Straße geschoben wird, wenn ein lautes Auto vorbei fährt, wenn sich die Nachbarn vor der Haustür lauthals zu später Stunde von ihrem Besuch verabschieden.

Mini wacht bei den kleinsten Geräuschen auf. Es reicht selbst ein zurechtzupfen der Bettdecke.

Erst letzte Nacht haben wir mal wieder mehrere Stunden wach im Bett gesessen.

Und dann beginnt das Prozedere von vorn: kuscheln, streicheln, singen, wenn nichts hilft, dann tragen wir sie noch eine Weile, bis sie sich wieder beruhigt. Eine Weile kann auch mehrere Stunden bedeuten.
Alleine eingeschlafen ist sie noch nie. Weder im Bett noch woanders. Ohne Entertainment zum ‚runterkommen‘ geht da gar nichts.

Familienbett

Ein Schlafen gemeinsam in einem Bett, dass nicht einer Festung gleicht aus der niemand heraus oder hinein gelangt, ist nicht möglich. Unsere Tochter hat einen sehr aktiven Schlaf. Nicht selten finde ich sie am Fußende oder auf dem Teppich vor unserem Floor-Bett. Ein Kinderzimmer haben wir nicht (mehr), unser reguläres Schlafzimmer haben wir vor einigen Monaten verlassen um uns nachts zu dritt die Zeit auf unserem Matratzen-Survival-Lager zu vertreiben.

Rituale und Verbundenheit als Einschlafbegleitung

Um uns auf den Abend und die Nacht einzustimmen folgen wir abends meist demselben Ritual. Wir halten sie ab und sie bekommt, obwohl wir tagsüber windelfrei unterwegs sind, irgendwann im Spiel ihre Nachtwindel angezogen. Ebenso frische Schlafkleidung, allerdings keinen Schlafsack. Auf die Windel würde ich eigentlich gern verzichten, aber wir hoffen jede Nacht auf eine bessere Nacht und möchten, falls sie tatsächlich mal einen ruhigen Schlaf finden sollte, nicht durch ein nasses Bett gestört werden, wenn doch mal was daneben geht.

Wenn wir deutliche Anzeichen von Müdigkeit erkennen, fragen wir sie, ob sie auf den Arm möchte. Dort fühlt sie sich abends besonders wohl. Wir räumen so gemeinsam noch ein wenig auf, bereiten alles für die Nacht vor und gehen dann mit einer Milchflasche nach oben.

Schwellenangst?

Mini fällt der Übergang vom freien Spiel durchs Treppenhaus ins Schlafzimmer meist sehr schwer. Seit wir ihr bereits im Wohnzimmer auf dem Arm ihre Milch anbieten, hat sich diese Situation deutlich entspannt. So schaffen wir es zumindest ohne Aufregung und schlechte Laune bis nach oben.

Dort versuchen wir sie mit so wenig Aufruhr wie möglich mit ihrer Flasche abzulegen. Wir kuscheln uns dazu, sie trinkt und manchmal ist sie tatsächlich schon so eingeschlafen. Oft springt sie, sobald sie satt ist, allerdings wieder auf und scheint ihre Milch anstatt als Schlummertrunk als Energie-Shake zu betrachten. Mit viel Überredungskunst schaffen wir es nach einiger Zeit zurück ins Bett. Ein paar Anläufe später schläft sie dann irgendwann ein.

Unser Nachtschreck

Wenn auch nur für etwas weniger als eine Stunde. Denn dann wartet meist der Nachtschreck auf uns, den wir einfach nicht loswerden. Wir trösten. Wir kuscheln. Wir halten im Arm. Wenn es vorüber ist, versuchen wird uns kuschelnd wieder hinzulegen. Hier beginnt die Einschlafbegleitung wieder von vorn.
Oft ist es dann, bis wirklich alle mal ein Weilchen schlafen, bereits jenseits von 22 Uhr. Gefolgt von einem meist zweistündigen Trink- und Aufwachrhythmus, wildem Gewälze und Genuckel. In den frühen Morgenstunden kommt Mini meist etwas besser zur Ruhe. Und trotz den durchwachsenen Nächten und der recht späten Einschlafzeit sitzt sie morgens bereits früh im Bett und fordert den Start in den neuen Tag vehement ein.

Geduldsprobe par excellence

Ja, das ist es. Wirklich. Es ist anstrengend, es macht müde, es raubt Zeit.
Vor allem wenn die Einschlafbegleitung, wie bei uns, eigentlich die gesamte Nacht dauert und eher eine dauerhafte Schlafbegleitung ist. Wie oft ich insgeheim neidisch anderen Eltern, deren Kinder einfach so alleine ein- und durchschlafen, zugehört habe, wenn sie davon erzählen, dass sie abends noch einen Cocktail schlürfen, ein Glas Wein mit ihrem Partner trinken oder einfach nur TV schauen. Gemeinsame Zeit als Paar zum führen von Gesprächen, zum gemeinsamen Entspannen oder einfach mal nur etwas für sich selbst tun ist bei uns in unerreichbare Ferne gerückt, seit wir Eltern sind. Obwohl es gerade für uns, als Mama und Papa eines hochbedürftigen Babys, das nahezu den gesamten Tag an unsere Körper gebunden verbracht hat und eines Kleinkindes, das nahezu den gesamten Tag Aufmerksamkeit und Begleitung beim Spielen braucht, so dringend nötig wäre.

Schreien statt schlafen

Nicht schlafen und stattdessen schreien ist die denkbar ungünstigste Kombination. Zur Müdigkeit und der daraus irgendwann resultierenden Übermüdung, nicht nur beim Kind sondern auch bei den Eltern, kommt noch ein immenser Geräuschpegel dazu. Nicht nur am Tag sondern auch in der Nacht und insbesondere am Abend, in den Stunden, die eigentlich alle so dringend zum regenerieren brauchen.

Nicht selten sind wir mehrere Stunden mitten in der Nacht wach.

Wir begleiten wieder und wieder. Der oft gut gemeinte Tipp, das wache Kind im Schlafzimmer spielen zu lassen, während wir selbst ein wenig schlummern hat in der Vergangenheit Verletzungen hervorgerufen, die wir nicht verantworten können. Das Zimmer kann noch so kindgerecht gesichert sein, aber ein müdes Kind kippt trotzdem irgendwann sitzend von der Matratze herunter und stößt sich den Kopf an Wand oder Fliesen.
Aber es wird sich ändern. Die Kinder werden älter und reifer. Bei den einen geht es schneller, die anderen brauchen etwas länger um Strategien zu entwickeln sich selbst zu beruhigen.
Wir haben die Tage analysiert, wir haben die Nächte analysiert. Wir haben probiert und verändert. Was uns nun wirklich hilft:

Annehmen, was ist.

Denn durch das intensive Beisammensein teilen wir Nähe und Geborgenheit. Auch am Abend und bei Nacht. Für uns ist es selbstverständlich, dass Mini den Beistand bekommt, den sie braucht, auch wenn wir dafür unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurückstellen.

Alles Liebe, Isabel!

P.S. schaut doch mal bei Wunschkindwege und Zwischen Windeln und Wahnsinn vorbei. Dort findet ihr weitere Beiträge zur Einschlafbegleitung!

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9 replies »

  1. Schon in Deinem ersten Absatz habe ich mich wiedergefunden 🙈
    Ich sehe heute noch vor mir, wie mein Mann unsere Tiffy durch unser Krankenhaus Familienzimmer getragen hat.
    Stundenlang.
    Ich lag mit einer frischen Kaiserschnittnarbe daneben.
    Und auch wir haben den Meilensteinen, an denen ja mit Sicherheit alles besser wird, entgegengefiebert. Es wurde natürlich nicht besser.

    Wie Du schon schreibst… „Annehmen“ ist das Einzige, was hilft, die Situation erträglich zu machen.
    Und nicht vergleichen.
    Jedes Kind hat ein anderes Schlafbedürfnis und einen anderen Rhytmus.
    Wie alt ist eure Tochter jetzt?
    Ich danke Dir von ❤-en für Deinen ehrlichen und aufrichtigen Beitrag.
    Alles Liebe ❤

    Gefällt 1 Person

    • Ich danke DIR für deinen lieben Kommentar ❤️ Deswegen hat mir das Thema auch so gut gefallen und ich habe meine Gedanken dazu aufgeschrieben! Wir sind alle nicht die einzigen und genau das wird durch solche Rückmeldungen deutlich ❤️❤️ Danke!

      Gefällt mir

  2. Schön zu hören dass es nicht nur uns so geht.!!!!!!
    Seit 12 Wochen laufen wir abends ab Punkt 18uhr auf und ab über mehrere Stunden.
    Schreiambulanz haben wir auch schon hintr uns.
    Die Babys im Bekanntenkreis schlafen alle von alleine ein….da ist bei uns nicht dran zu denken.

    Danke für deinen Blog…tut echt gut!

    Alles Liebe Britta

    Gefällt 1 Person

  3. Wow, krass. Das ist wirklich eine Herausforderung! Ich wünsche Euch sehr, dass es bald einfacher wird. Und bis dahin wünsche ich Euch viel Kraft und starke Nerven.

    Schön, dass Du Deine Geschichte mit uns teilst.

    Liebe Grüße
    Nadine

    Gefällt 1 Person

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