Achtsamkeit · windelfrei

Windelfrei Teil 3: Nachts und bei Krankheit

Im 3. Teil meiner Artikelreihe zum Thema ‚windelfrei‘ schreibe ich heute etwas zu potenziellen Problemsituationen: zum Abhalten in der Nacht und bei Krankheit.

ABHALTEN IN DER NACHT

Vorweg, und das gilt bei mir nahezu immer und nicht nur auf ‚windelfrei‘ bezogen: Schlaf ist das allerwichtigste. Babyschlaf oder Schlafmangel ist eins der größten Elternthemen, die es gibt. Und auch eins derjenigen, die junge Eltern am meisten belasten. Nichts ist so wichtig wie eine erholsame Nacht. Manchmal kann es daher sein, dass für manche Eltern-Kind-Gespanne das nächtliche Abhalten nicht passt.

Wann macht nächtliches Abhalten keinen Sinn?

Manche Babys weinen, weil das nächtliche Abhalten zu viel Unruhe in die Nachtphase bringt. Wenn sich dein Baby nicht ganz unkompliziert wieder beruhigen lässt und zurück in den Schlaf findet, dann verzichte darauf und verwende eine Windel. Ich bin ein Fan von Stoffwindeln, wenn allerdings das dadurch bedingte häufige Wickeln in der Nacht (je nachdem wie oft ihr stillt) ebenfalls Unruhe in euren Ablauf bringt, dann verwende Wegwerfwindeln, die das Pipi aufsaugen. Den ökologischen Gedanken von Stoffwindeln hebe ich immer gerne hervor, wenn dadurch bedingt das Baby oder Kind jedoch in einer nassen Hose schläft und nur noch Ziel ist, die Windel so gut wie möglich zu preparieren, damit sie lange Zeit nicht ausläuft, dann erreichst du damit den gegenteiligen Effekt, den wir eigentlich mit ‚windelfrei‘ bezwecken wollen: dein Baby hält sich lange in einer nassen Windel auf (auch wenn diese nicht ausläuft) und ihm wird auf diese Weise antrainiert, dass Wärme und Nässe im Intimbereich etwas Normales ist und dies kann dazu führen, dass dein Baby dadurch das Bewusstsein für seine Ausscheidungen verliert und beginnt sich darin wohlzufühlen. Wenn dein Baby sich durch Veränderung von Druck, Lage und Temperatur im Schlaf gestört fühlt, dann verzichte auf das nächtliche Abhalten.

Vorteile nächtlichen Anhaltens und von ‚windelfrei‘ in der Nacht

Tag und Nacht sind in Bezug auf trocken sein und trocken werden separat zu betrachten. Ein tagsüber trockenes Kind ist dies noch lange nicht in der Nacht. Babys und Kinder, die tagsüber regelmäßig und erfolgreich abgehalten werden, nachts jedoch eine Windel tragen und diese auch nutzen, sind gefährdet, auch noch lange Zeit nicht mit voller Blase wach zu werden.

Druck, Lage und Temperatur

Babys wachen sehr leicht auf, wenn sich auch nur eins dieser drei Parameter plötzlich ändert. Wichtig ist dabei, dass nächtliche Aktivitäten mit so wenig Unruhe wie möglich geschehen. Wenn ein im Arm gehaltenes Baby zum Entkleiden plötzlich auf den Rücken gelegt wird verändern sich direkt Druck und Lage. Und wenn es dann auch noch komplett ausgezogen wird, weil der Strampler oder der Schlafsack nach unten hin nicht geöffnet werden können, dann spürt es auch noch sehr schnell den Temperaturunterschied.

5 Tricks für entspannte Nächte

Wenn du dich dafür entscheidest, dein Baby nachts abzuhalten, dann ist Organisation das A und O.

#1 Beziehe eure Betten so, dass auch bei Unfällen ein schnelles Wechseln der Bettwäsche möglich ist. Dazu kannst du im Wechsel mehrere Spannbetttücher sowie Moltonauflagen als Nässeschutz über die Matratze legen. So muss nur die oberste Schicht Laken und Molton entfernt werden und ihr könnt schnell weiterschlafen.

#2 Halte ein Töpfchen oder ein anderes Gefäß neben dem Bett bereit. Alternativ kommt auch jede saugfähige Unterlage infrage, wenn das für euch bequemer ist. Verschieden große Handtücher, je nach Bedarf, sind auch nützlich.

#3 Nutzt keine unten geschlossenen Schlafsäcke, sondern Kleidung, die leicht geöffnet werden kann. Vor allem auch einhändig, während du dein Baby im Arm hältst.

#4 Achte auf Druck, Lage und Temperatur

#5 Anfangs bietet sich ein sehr schwaches Nachtlicht an, damit du siehst was du tust. Nach ein paar Versuchen wird das nächtliche freimachen und abhalten auch im Dunkeln einfach von der Hand gehen.

 

WINDELFREI BEI KRANKHEIT UND UNWOHLSEIN

In einer eh schon stressigen Phase, wenn das Baby krank ist, sind wir dazu geneigt alle anderen Stressoren zu reduzieren und greifen möglicherweise reflexartig auf Wegwerfwindeln zurück. Das ist okay. Denn vor allem der Wäscheberg hält sich damit in Grenzen. Wichtig zu wissen:

Abhalten und der Verzicht auf eine Windel oder das bewusste Wickeln kann sich bei Krankheit auf die Genesung auswirken.

Atemwegserkrankungen

Sie sind sehr lästig und stören unseren und Babys Schlaf sehr. Wenn jetzt noch zusätzliche Aufwachphasen wegen eines Nässegefühls in der Windel hinzukommen, ist möglicherweise an Schlaf nicht mehr zu denken. Bei einer Erkältung, die mit Husten einhergeht, verwenden wir nachts in jedem Fall Wegwerfwindeln, um Störungen so gut es geht zu minimieren.

Durchfall

Die größte Angst von Stoffwindeln-Wicklern ist, dass die Windeln durch Ausscheidungen so verschmutzt sind, dass sie nicht mehr gereinigt werden können oder gar auslaufen. Die Gefahr besteht bei einer Durchfallerkrankung zwar, jedoch sind von einem Magen-Darm-Infekt geplagte Babys meist auch Bauchweh ausgeliefert. Vor allem auch kurz bevor sie ausscheiden. Selbst wenig bis gar nicht im Alltag signalisierende Babys und Kinder zeigen auf einmal deutlich, wann sie mal müssen. Gerade hier bietet sich also an ‚windelfrei‘ zu bleiben oder auf Stoffwindeln als Back-up zurückzugreifen. Der Durchfall reizt meist die Haut in der Intimregion so stark, dass bei Verwendung von Wegwerfwindeln, die aus Plastik bestehen und kaum Raum zum Atmen für die Haut bieten, eine Windeldermatitis oft nicht abzuwenden ist. Ein weiterer Vorteil des häufigen Abhaltens: der Darm hat die Möglichkeit, sich komplett zu entleeren.

Fieber

Auch bei Temperaturerhöhung stört Plastik am Körper. Der Windelbereich befindet sich in der Körpermitte. Wenn dort noch eine Stelle geschaffen wird, an der sich Hitze sammeln kann, wirkt sich das auf den gesamten Körper aus. Stoffwindeln sind eine Alternative zum Alltag ohne Windel, falls letzteres nicht möglich ist.
Gleichzeitig müssen fiebernde Kinder meist weniger oft Pipi, sodass die Abhalteintervalle weiter auseinander liegen als gewöhnlich.
Kennst du Teil 1 meiner Artikelreihe zu ‚windelfrei‘? Darin erkläre ich, was sich hinter dem verwirrenden Begriff ‚windelfrei‘ verbirgt und räume mit den gängigsten Vorurteilen auf. Im 2. Teil schreibe ich zu Timing, Signalen und Intuition, also den Basics für ‚windelfrei.‘
Bald folgt Teil 4, da wird es um ‚windelfrei‘-Streiks und -Pausen gehen.
Hast du Fragen? Dann hinterlasse mir weiter unten sehr gerne einen Kommentar!

Alles Liebe, Isabel!

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Ein Kommentar zu „Windelfrei Teil 3: Nachts und bei Krankheit

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