Achtsamkeit · windelfrei

Windelfrei Teil 2: Timing, Signale, Intuition – oder wie ‚windelfrei‘ eigentlich geht

Weiter geht’s mit der Artikelreihe zum Thema ‚windelfrei‘. In Teil 1 habe ich beschrieben was ‚windelfrei‘ ist oder besser, was es NICHT ist. Du fragst dich vermutlich, wie ‚windelfrei‘ denn nun funktioniert?

Ganz einfach: gar nicht. Es ist so individuell, so persönlich und es hängt maßgeblich von der Eltern-Kind-Beziehung ab. ‚Windelfrei‘ ist kein Programm mit festem Schema, sondern die Kommunikation zwischen Eltern und Baby.

Das Fundament für ‚windelfrei‘ besteht für Mini und uns aus Timing und Signalen.

Timing bei ‚Windelfrei‘

In der Literatur wird davon ausgegangen, dass einige wenige Male am Tag, an denen erfolgreich abgehalten wurde reichen, um das beim Baby von Geburt an vorhandene Bewusstsein für dessen Ausscheidungen aufrecht zu erhalten. So können also auch in Vollzeit berufstätige Eltern, die beim Thema ‚windelfrei‘ nicht auf die Unterstützung der Tagesmutter oder der Krippe zählen können, ‚windelfrei‘ mit ihren Babys praktizieren. Dafür reicht es die Standardsituationen herauszufinden, zu denen das Baby sehr wahrscheinlich mal muss und ihm dann anzubieten sich außerhalb der Windel zu erleichtern. Die meisten Babys und Kinder müssen (unmittelbar) nach dem Schlafen, nach oder während der Nahrungsaufnahme (Milch oder Beikost) und wenn sie sich von einer konzentrierten Beschäftigung lösen, das Spiel unterbrechen und körperlich in einen entspannteren Zustand wechseln. Neugeborene schlafen noch in sehr kurzen Intervallen und haben sich zuvor meist in den Schlaf gestillt. Entsprechend häufig entleeren sie sich auch zu hervorsehbaren Zeiten. Tiefschlafende Babys müssen erst, wenn sie in eine Schlafphase mit weniger tiefem Schlaf gleiten und machen sich dann durch Unruhe bemerkbar. Aufgrund der sich bereits am Nachmittag in Vorbereitung auf die Nacht drosselnden Nierentätigkeit müssen Babys vormittags häufiger Pipi als am Nachmittag, in den Abendstunden oder in der Nacht. Zum frühen Morgen hin müssen sie wieder häufiger und haben eine volle Blase, die sie auch im Schlaf stören kann. Das Timing ist meiner Ansicht nach wichtiger als die so oft zitierten Signale. Es gibt Babys und Kinder, die kaum oder gar nicht signalisieren wenn sie mal müssen. Wird jedoch zu den Standardzeiten, die ich zuvor beschrieben habe und zu denen mit einer Ausscheidung zu rechnen ist, ein Angebot zum Abhalten unterbreitet, dann ist das oft schon die halbe Miete. Achtung: hier geht es nicht darum, das Baby oder Kind in regelmäßigen Zeitintervallen abzuhalten oder aufs Töpfchen zu setzen und dort so lange zu verharren, bis Erfolg zu verzeichnen ist, sondern es ist ein Angebot sich zu erleichtern. Wenn nichts kommt, dann kommt nichts. Wir probieren es dann einfach später nochmal.

Signale bei ‚Windelfrei‘

‚Windelfrei‘ ist, wie ich in Teil 1 schon beschrieben habe, Ausscheidungskommunikation. Allerdings gibt es tatsächlich Babys und Kinder die kaum erkennbare Signale senden.

Wenn du noch nicht erkennst, wann dein Baby mal muss, kannst du es ohne Kleidung für eine überschaubare Zeit auf eine weiche, saugfähige Unterlage legen und beobachten. Was passiert kurz bevor es sich erleichtert? Was passiert währenddessen und danach? Deine Beobachtungen können dir helfen die Signale deines Babys besser zu erkennen und zu deuten.

Je älter die Babys werden und je mehr sie ihre Umgebung wahrnehmen und nicht mehr nur mit sich selbst beschäftigt sind, desto weniger deutlich signalisieren sie. Ein Baby, was sich nicht ins Tragetuch einbinden lassen will, unruhig stillt oder plötzlich seinen Gemütszustand wechselt muss vielleicht mal. Auch das sind Signale, die allerdings häufig von den Eltern nicht damit in Verbindung gebracht werden.

Zur richtigen Zeit und der entsprechenden Aufmerksamkeit für dein Baby bist du gut aufgestellt für ‚windelfrei‘.

Intuition bei ‚Windelfrei

Die oft genannte Intuition oder die Bemerkung, dass eine einfühlsame Mutter immer weiß, wann ihr Baby mal muss, die stimmt so nicht. Für ‚windelfrei‘ reicht nach meinem Verständnis die Beachtung von Timing und Signale. Wer sein zweites Gehirn, nämlich das Bauchgehirn, hingegen gut wahrnimmt und eher kein Kopfmensch ist, der kann sich das für ‚windelfrei‘ zunutze machen: Intuition. Es ist schön sie zu haben, aber auch kein Drama, wenn du sie nicht spürst. Als Faustregel kannst du dir allerdings merken: wenn du nur den Hauch einer Ahnung hast, dass dein Baby mal muss, dann halte es ab. In den meisten Fällen wirst du sonst zu spät dran sein, wenn du noch den Abwasch zu Ende machst oder deinen Einkaufszettel fertig schreibst.

 

Hast du Teil 1 meiner Reihe zu ‚windelfrei‘ schon gelesen? Darin erkläre ich, was sich hinter dem verwirrenden Begriff ‚windelfrei‘ verbirgt und räume mit den gängigsten Vorurteilen auf. In Teil 3 schreibe ich etwas zu Krankheit und nächtlichem Abhalten. Dann folgt auch noch ein Beitrag zu vom Baby ausgehenden ‚windelfrei‘-Pausen und Streiks.

Hast du Fragen? Dann hinterlasse mir weiter unten sehr gerne einen Kommentar!

Alles Liebe, Isabel!

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2 Kommentare zu „Windelfrei Teil 2: Timing, Signale, Intuition – oder wie ‚windelfrei‘ eigentlich geht

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