Elternsein

Co-Sleeping und SIDS: Ein paar Fakten zum Familienbett | So schlafen wir…

Es gibt kaum ein Eltern-Thema, bei dem so kontrovers diskutiert wird (zumindest in unserem Dunstkreis). Für die einen völlig unverständlich, für die anderen eine Selbstverständlichkeit: Co-Sleeping, Familienbett, gemeinsam schlafen. Die hartnäckigste These, dass Eltern sich damit unselbstständige Muttersöhnchen heranziehen, greift bei uns nicht. Ein Glück, dass unsere Tochter eine Tochter ist, sonst müsste ich mir natürlich ernsthaft Sorgen machen. Puuuh, nochmal  gut gegangen. Wir sind also fein raus und können bedenkenlos gemeinsam schlafen.

Wir schlafen doch auch nicht abends ohne unsere Liebsten ein. Warum müssen Babys dann alleine schlafen?

Unter Erwachsenen ist es völlig normal, dass sie abends zusammen ins Bett gehen, gemeinsam schlafen und morgens wieder nebeneinander aufwachen. Warum dürfen dann Eltern und Babys nicht auch ihren Schlaf teilen? Warum ist das so verpönt? Die Angst das Baby zu verwöhnen schwebt wie eine große Wolke über vielen Familien, eingeredet durch ihr Umfeld und die vielen Babyspezialisten, die gerne ihre Ratschläge verteilen. Warum soll es schädlich sein, unseren Babys nachts die gleiche Liebe, Zuneigung, Geborgenheit, Nähe, Verlässlichkeit zu geben, die sie tagsüber auch bekommen? Warum soll damit mit Einbruch der Dunkelheit Schluss sein? Babys verbringen mehr als 9 Monate mit intensivstem Kontakt zu ihrer Mutter, so nah können wir unseren Kindern nie wieder sein, wenn sie nicht mehr in unserem Bauch sind. Wieso soll dann das gemeinsame Schlafen ein Problem sein? Sicher gewöhnen sich Babys bestimmte Abläufe an, aber verwöhnt sind sie deshalb noch lange nicht. Gemeinsamer Schlaf fördert gutes Gedeihen, womit nicht nur Wachstum, sondern auch emotionale und intellektuelle Fähigkeiten gemeint sind. Kinder werden in der Gemeinschaft selbstständig und nicht indem wir sie alleine lassen. Wäre dem nicht so, dann würde die Menschheit den Planeten Erde schon lange nicht mehr besiedeln. Gemeinsames Schlafen ist also nicht abnormal, sondern nur in unserer westlichen Kultur nicht üblich.

Pro Co-Sleeping / Familienbett
  • Wenn die Familie zügig nach der Geburt gemeinsam, möglichst im Familienbett, schläft, gleichen sich die Schlafrhythmen an. Alle sind ausgeruhter, vor allem die Mutter, denn sie wird wenn das Baby stillen möchte nicht jedes Mal aus dem Tiefschlaf geweckt.
  • Gemeinsame Schläfer tauschen sich nachts aus: Gerüche, Bewegungen, Geräusche, Atmung, Berührungen. Das alles und noch viel mehr stimuliert die Babys.
  • Familienbettbabys/-kinder schlafen weniger tief und meist erst später durch. (Achtung, tatsächlich ein Vorteil und kein Tippfehler!)
  • Babys und Kinder lernen Verlässlichkeit. Auch in der Nacht halten alle zusammen. Das stärkt das Sozialverhalten.
  • Durch gemeinsames Schlafen erfahren Babys und Kinder eine gesunde Einstellung zum Schlaf.
  • Häufigeres nächtliches Stillen fördert die Milchbildung.
  • Kuscheln lässt den Körper Oxytozin bilden.
  • Vermehrter Hautkontakt und Regulation der Körpertemperatur beim Baby.
  • Neugeborene können sich besser auf die neue Umgebung einstellen und mit Hilfe des Hautkontaktes zur Mutter (und zum Vater) können sie die Geburt besser verarbeiten und gedeihen.
  • Sichere Schlafumgebung, Mutter und Baby richten ihren Atemrhythmus aufeinander aus.
  • Weniger Stress beim Baby, ohne Isolation im eigenen Zimmer.
  • Beim gemeinsamen Schlafen kann die Trennungszeit des Tages ausgeglichen werden.
Was ist dran an den Warnungen, dass Familienbetten der sichere Tod für Babys sind? – Plötzlicher Kindstod

Am Tag der Entlassung im Krankenhaus haben wir einige Informationen erhalten. Ebenfalls eine ausführliche Belehrung, warum Babys unbedingt in ihrem eigenen Bett schlafen sollten, weil es im Elternbett zu gefährlich sei. Was ist da eigentlich dran an dieser Warnung und wo kommt sie her? Ich hätte mir, anstatt Angstmacherei und pauschalen Warnungen, lieber konkrete Hinweise gewünscht, wie ich eine sichere – gemeinsame – Schlafumgebung gestalte.

Unter dem plötzlichen Kindstod (SIDS, Sudden Infant Death Syndrome) wird das in der vermuteten Schlafenszeit unerklärliche und nicht erklärbare Versterben eines Säuglings oder Kleinkindes verstanden.

Das Elternbett, je nach Schlafarrangement, birgt sicher einige Gefahren: Babys können von ihren Eltern zugedeckt oder erdrückt werden oder zwischen die Matratzen geraten. Das Schlafen im eigenen Bett im eigenen Zimmer hingegen ist weitaus unsicherer und geht Erkenntnissen zufolge mit einem erhöhten SIDS-Risiko einher. Oft ist damit auch ein (nächtliches) Abstillen oder erhöhte Müdigkeit des nachts für das Baby sorgenden Elternteils verbunden, was zusätzlich gefährliche Situationen schafft. Als gesunder Mittelweg kommt bei Unsicherheit wohl erst mal ein an das Elternbett gekoppeltes Beistellbett oder eine Wiege im Elternschlafzimmer infrage. Separate Schlafzimmer bieten dann mehr Sicherheit für Babys, wenn ein Elternteil oder beide Eltern rauchen. Es gibt Studien, in denen festgestellt wurde, dass dies sowie die Konsumierung von Alkohol das SIDS-Risiko erhöhen, wenn gemeinsam geschlafen wird. Ebenfalls bergen dämpfende Medikamente, nicht nur Schlafmittel, das Risiko ein zugedecktes Baby nicht wahrzunehmen. Letztendlich scheint also nicht das gemeinsame Schlafen an sich gefährlich zu sein, sondern bestimmte Schlafumstände, die im Elternbett zugegen sind.

„Ich glaube, dass in den meisten Fällen SIDS eine Schlafstörung ist, vor allem eine Störung des Aufwachens und der Atemkontrolle während des Schlafens. Alle Elemente des Attachment Parenting, vor allem das Stillen und das gemeinsame Schlafen, beeinflussen die Atemkontrolle des Babys positiv und erhöhen die gegenseitige Wahrnehmung von Mutter uns Baby, so dass sie leichter aufwachen und das Risiko für den Plötzlichen Kindstod gesenkt ist.“ (Dr. William Sears)

Tiefer schlaf ist also nicht mit sicherem Schlaf gleichzusetzen. Weniger Tiefschlafphasen bedeuten ein geringeres Risiko für den Plötzlichen Kindstod. Das, was die die Eltern dauernd unter Druck setzende und damit leider meinungsbildende Gesellschaft unter einem gut schlafenden Baby versteht ist unter Umständen für selbiges sehr gefährlich. Umso unverständlicher finde ich es, dass hartnäckig behauptet wird, Babys schlafen im eigenen Bett besser. Wenn das an der Dauer und der Tiefe der Schlafphasen festgemacht wird, mag das stimmen. Nicht aber, wenn der Sicherheitsaspekt im Vordergrund steht. Denn dann ist das Risiko, dass das Baby aufhört zu atmen, stark erhöht.

Letztendlich ist es für uns als Eltern immer schwierig alles richtig zu machen. Ich finde Sensibilisierung wichtig und bin daher für die Hinweise der uns im Krankenhaus entlassenden Ärztin dankbar, Panikmache halte ich jedoch für ungerechtfertigt. Wissenschaft ist eine Wissenschaft für sich. Sie hat sicher ihre Berechtigung, manchmal muss aber auch eine große Portion gesunder Menschenverstand mit eingebracht werden und es sollten Thesen und Behauptungen, die medizinisch nicht gesichert sind und möglicherweise nur auf steter Weitergabe beruhen, kritisch hinterfragt werden. Nicht zuletzt wurde irgendwann mal das Stillen als ungesund klassifiziert und heute empfiehlt unsere Hebamme sogar Raucherinnen ihre Kinder trotzdem zu stillen, weil die Vorteile der Muttermilch überwiegen. Für unsere Familie überwiegen die Vorteile beim gemeinsamen Schlafen, da wir mögliche Risikofaktoren reduzieren:

  • wir rauchen nicht
  • unsere Tochter schläft zwischen mir und der Wand, da der Papa nicht jede Nacht zu Hause schläft und ihm somit das Bewusstsein für seine Tochter während seines eigenen Schlafs verloren gehen könnte
  • wir schlafen immer gemeinsam, nicht nur aus besonderem Anschlass
  • ich trinke niemals Alkohol, wenn ich mit meiner Tochter gemeinsam in einem Schlafarrangement liege
  • wir schlafen in warmer Kleidung, ohne dicke Decken
  • meine Tochter schläft entweder auf der Matratze neben mir oder wir liegen Arm in Arm, sodass ich jede ihrer Bewegungen wahrnehme
  • wir sind nicht (stark) übergewichtig
  • wir haben kein Wasserbett, sondern  Matratzen, die nicht zu weich sind
  • wir duschen vor dem Zubettgehen, um die Duftstoffe des Alltags (die mit Baby so oder so eher sparsam eingesetzt werden sollen), wie Deodorant, Haarspray, Parfum abzustreifen
  • wir lüften tagsüber sowie abends nochmal mit Durchzug
Und wie lange soll das so gehen? Wann schläft das Baby oder Kind im eigenen Bett?

Eine der wichtigsten Fragen der anfangs genannten Diskussion. Irgendwann ziehen alle Kinder aus dem Familienbett aus. Manche früher, andere erst sehr viel später. Und zwar dann, wenn sie dafür bereit sind. Manchmal auch, weil die Schlafsituation für die gesamte Familie so nicht mehr passt. Und auch das ist okay.

Manchmal, ich gebe es gerne zu, wünsche ich mir ein wenig Ruhe herbei. Wenn ich zum fünften mal einen Kinderkäsefuß unter die Nase gehalten bekomme, sich wieder mal ein kleiner Knäuel gegen mich wälzt oder einfach nur laute Atemgeräusche und kleine Säuftzer von sich gibt. Manchmal muss ich grinsen, wenn wir mal wieder alle verkehrt herum mit dem Kopf am Fußende im Bett liegen, weil Mini an der ungünstigsten Stelle quer zur Liegefläche irgendwo am Fußende eingeschlafen ist. So ist das eben, auf sechs Quadratmetern, da kann schon mal etwas durcheinander geraten. Familienbetten bringen Entlastung und Ruhe, aber auch Geräusche und Unruhe mit sich. Aus der Sicht meiner Tochter, die mir klar signalisiert, dass sie nicht alleine schlafen möchte, sondern stattdessen mit uns, ihren Eltern, ihrer Familie, gemeinsam die gruseligen Nächte bewältigen möchte, ohne dass jeden Abend erst mal drei Dosen Monsterspray unter dem Bett im Kinderzimmer versprüht werden müssen, ist das Geborgenheit, die sie braucht, um sorgenlos zu gedeihen und sich zu entwickeln. Um den vergangenen Tag zu verarbeiten und den bevorstehenden einzuleiten.

So lange sich alle Familienmitglieder mit der Situation wohl fühlen und ausreichend Schlaf bekommen, spricht nichts dagegen, diese gemeinsame und doch im Verhältnis recht kurze Zeit im Leben, miteinander zu genießen.

Wie schlaft ihr denn so?

Alles Liebe, Isabel!

0F1890D4-4F4C-49C5-A802-260671890AA9

2 Kommentare zu „Co-Sleeping und SIDS: Ein paar Fakten zum Familienbett | So schlafen wir…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s