Achtsamkeit · Elternsein

„Das kannst du alleine, du bist doch schon groß!“ – Ja und?! Warum Hilfe und Unterstützung trotzdem nicht schaden.

Irgendwie paradox. Da, wo es den Erwachsenen nützlich ist, sollen Kinder bitte ganz schnell selbstständig werden, zum Beispiel beim schlafen. Wenn gerade niemand Zeit hat beim Anziehen zu helfen, dann sollen sie sich allein die Socken aus dem Schrank suchen und schon mal ihre Tasche packen. Beim Essen, wo es Sauerei und zusätzliche Putzarbeit beschert, oder wenn es im Hausflur schnell gehen muss, weil Zeitdruck wegen anstehender Termine herrscht, sollen die Kleinen ein zügiges Überstreifen der Jacke erdulden und sich bestenfalls nicht bemerkbar machen, dass sie das eigentlich selbst machen wollen – natürlich mit mindestens dreifachem Zeitansatz – wird in solchen Momenten nicht beachtet. Knöpfe und Reißverschlüsse gehen mit kleinen Kinderhänden halt nicht so einfach zu.

Kinder sollen dürfen, aber nicht müssen.

Selbstständigkeit lernen Kinder nicht, indem sie allein gelassen werden. Eine liebevolle Hinführung ist wichtig. Das heißt aber auch, dass ich helfe, wenn ich darum gebeten werde (und nicht nur dann, wenn ich es für angemessen halte) oder wenn ich sehe, dass meine Unterstützung gebraucht wird und mich zurückhalte, wenn meine Tochter etwas alleine ausprobiert. Manchmal dauert es dann etwas länger, aber sie wächst daran.

Wenn ich nur darf, wenn ich soll, aber nie kann, wenn ich will, dann kann ich auch nicht, wenn ich muss.

Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann kann ich auch, wenn ich muss. (Johannes Conrad)

Kinder kooperieren. Immer. Sie haben einen natürlichen Drang dazu, ihren Bezugspersonen zu folgen. Gehen diese zu wenig auf sie ein oder überschreiten zu häufig die kindlichen Gerenzen, dann schwindet der Kooperationswille.

Kinder wollen explorieren. Was sie kennen und können, wollen sie weiter vertiefen. Sie wollen forschen und sich weiter entwickeln. Sie wollen ausprobieren und lernen. Ihnen, weil sie um Hilfe bitten, von Natur aus eine Faulheit und mangelnde Kompetenz zu unterstellen, die erst aberzogen muss, wäre unfair und ziemlich unklug. Und das hat nichts mit Glucke-sein oder dem oft genannten „helikoptern“ zu tun.

Wenn ich genervt reagiere, dann frage ich mich immer in Gedanken: was würde ich tun, wenn mein Partner mich um diesen Gefallen bitten würde und warum möchte ich meinem Kind diese Bitte gerade nicht erfüllen oder hadere damit zu sagen „Das kannst du schon alleine!“

Mein Lieblingsmantra

Erziehung ist Liebe und Vorbild, mehr nicht!

kommt da wieder ins Spiel. Wenn ich Hilfsbereitschaft vorlebe, aus der Freude am Geben, dann wird auch mein Kind irgendwann hilfsbereit sein oder Dinge selbst erledigen wollen, wenn es erkennt, dass es mich dadurch unterstützen kann. Kinder lernen durch Beobachtung und Nachahmung in ihrem Umfeld. Wenn ich mir später Hilfsbereitschaft wünsche, dann muss ich meiner Tochter diese auch entgegenbringen. Wenn ihre Fähigkeiten es erlauben, dann wird sie ebenfalls im Rahmen ihrer Möglichkeiten für uns beitragen. Und Dinge, die sie schon kann, meist alleine erledigen. Das beruht auf Freiwilligkeit und nicht auf Zwang. Die Rollen sind schließlich klar verteilt: wir sind die Eltern, sie ist die Tochter. Die Verantwortung für ein entspanntes Zusammenleben mit Harmonie und Leichtigkeit liegt bei uns.

Es lohnt sich, in verschiedenen Situationen genauer hinzuschauen:

– warum möchte mein Kind, wenn ich es im Kindergarten abhole, zum Auto getragen werden und nicht laufen? Vielleicht um seinen Speicher mit Kuscheln und Nähe aufzufüllen?

– warum möchte mein Kind beim Essen gefüttert werden, wenn wir Besuch haben, obwohl es sonst selbstständig isst? Vielleicht weil es damit rechnet, dass die Erwachsenen sich gleich angestrengt unterhalten werden und es Aufmerksamkeit benötigt?

Kinder in ihrer Selbstwirksamkeit zu unterstützen und mit ihnen zusammen zu erleben, dass sie auch alleine etwas schaffen können, ist wichtig. Trotz aller Gedanken an die spätere Selbstständigkeit sollten dabei aktuelle Bedürfnisse, die mal stärker oder mal schwächer zum Ausdruck kommen, nicht übersehen werden.

Alles Liebe, Isabel!

EE5A7D6C-9619-41ED-9593-47F9CFF06D74

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s