Achtsamkeit · Elternsein

Süße Trostpflaster beim Kinderarzt und warum es die bei uns aus Gründen der Missbrauchsprävention nicht gibt

Anstoß für diesen Beitrag war die U-Untersuchung meiner Tochter im Alter von 11 Monaten. Puuuh, da habe ich heute noch dran zu knabbern. Wie immer war ihr alles unangenehm, ich habe sie so gut es ging vor übergriffigem Verhalten geschützt und nur die Untersuchungen zugelassen, die ich bei einem gesund scheinenden Kind wirklich als relevant erachte. Warum? Hier geht es um Prävention und nicht um die Untersuchung oder Behandlung einer ernst zunehmenden Erkrankung, sodass ich ihre Grenzen und ihre Integrität wahren möchte. Es gibt Babys und Kleinkinder, die das anstandslos über sich ergehen lassen, es gibt aber auch die, die bereits früh mit einem starken Willen gesegnet sind und klar und deutlich zu verstehen geben, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind. In unserem Bundesland sind die U-Untersuchungen zudem freiwillig, sodass ich keine Repressalien befürchten muss, wenn ich mich nicht einverstanden erkläre.

Auf ihr wehrhaftes Verhalten und meine konkrete Ansage, dass wir nur das machen, was meine Tochter zulässt, sagte der Kinderarzt:

„Bei der nächsten U-Untersuchung und den anstehenden Impfungen ist sie ja schon älter, da haben wir hier Süßigkeiten, damit können wir ihre Tochter bestechen, damit sie auch vernünftig mitmacht.“

Aha. Wenn es so weit ist, werden wir da nochmal drüber sprechen müssen. Mein Standpunkt dazu ist ganz klar: Meine Tochter soll nicht lernen, dass im Tausch gegen Gummibärchen andere über ihren Körper bestimmen dürfen und sie sich zu Dingen überreden lässt, die sie eigentlich nicht möchte. Schon von klein an ermutige ich sie dazu „Nein!“ zu sagen und erkläre ihr bereits früh, dass ihr Körper ihr gehört und nur sie darüber bestimmt, was damit geschieht.

Mein zweiter Gedanke war, dass ich sowieso nichts von Belohnungen und Belohnungssystemen halte. Ich möchte meine Tochter nicht dazu manipulieren, Dinge zu tun, die sie nicht von sich aus möchte. Für mich ist dabei unwichtig, ob es um eine nicht unbedingt notwenige Vorsorgeuntersuchung beim Arzt geht, ein Bild zu malen oder ihr Zimmer aufzuräumen. Und noch weniger möchte ich, dass andere die Kontrolle über dieses Schauspiel haben, ihr Verhalten bewerten und dann womöglich ihr Versprechen nicht einhalten und die in Aussicht gestellten Gummibärchen selbst vernaschen, weil sie nicht gut genug mitgewirkt hat.

Mein Dritter Gedanke war, dass ich das Angebot von Süßigkeiten ohne vorherige Absprache als sehr übergriffig mir als Mutter gegenüber empfinde. Wir haben für uns entschieden, in den ersten Lebensjahren möglichst zuckerfrei zu leben und auf den weißen Industriezucker zu verzichten. Das tut uns allen gut und wir möchten da noch ein Weilchen dran festhalten. Ein wenig muss ich grinsen. Der gleiche Kinderarzt, der mir vor ein paar Minuten noch erzählt hat, dass Kinder mit Abschluss des ersten Lebensjahres keine gesunde (Mutter)Milch mehr brauchen, sondern mit Wasser und Kuhmilch abgespeist werden sollen, dass Babys und Kleinkinder keine harte Rohkost essen dürfen und das sowieso alles ungesund ist, was wir machen, möchte meine Tochter nun mit Gummibärchen gefügig füttern. Dem kann ich absolut nicht zustimmen.

Mit zweierlei Maß messen funktioniert bei Missbrauchsprävention nicht

Bei dem gefährlichen Mann mit dem dunklen Transporter und den Bonbons, der die Kinder in sein Auto lockt, würden sofort bei allen Eltern die Alarmglocken schrillen. Kinder dürfen von Fremden nichts annehmen und schon gar nicht mit ihnen mitgehen, das ist ein in Stein gemeißeltes Gesetz, was vermutlich in nahezu allen Familien gilt. Bei uns sind alle „fremd“, die nicht Mama oder Papa sind – ausgenommen regelmäßige Betreuungs-/Bezugspersonen wie die Oma oder meine liebe Freundin, die meine Tochter tageweise betreuen wird, wenn ich wieder arbeiten gehe. Andere Personen als Mama oder Papa dürfen sie nicht dort berühren, wo normalerweise Kleidung getragen wird. Gegen ihren Willen schon mal gar nicht. Warum soll es beim Kinderarzt anders sein? (Kleine) Kinder können solche Situationen überhaupt nicht differenziert betrachten und einschätzen, wann das okay ist und wann nicht. Zumal ich auch keine Weiß-Kittel-Hörigkeit fördern möchte, indem ich bestimmte Berufsgruppen legitimiere, mehr Rechte gegenüber ihren Klienten zu haben als andere. Der Kinderarzt ist, wie der Mann mit dem dunklen Van, ebenfalls ein Fremder für Kinder, denn er gehört nicht zur engen Familie. Ersterer hat in der Vergangenheit, seit dem Säuglingsalter, immer wieder Unangenehmes gemacht, was selbstverständlich medizinisch nötig war, keine Frage. Trotzdem sind selbst die U-Untersuchungen vielen Kindern nicht angenehm in Erinnerung, von Impfungen und schmerzhaften Behandlungen aufgrund von Krankheiten mal ganz zu schweigen. Und nun kommt der gleiche Kinderarzt, der Fremde, plötzlich mit Gummibärchen um die Ecke. Zur Bestechung. Zur Wiedergutmachung. Als Belohnung. Als Aussicht, wenn kooperiert wird. Wenn etwas für das Kind Unangenehmes geschehen darf und es dies geduldig über sich ergehen lässt, dann bekommt es Süßigkeiten.

Das Kind lernt damit mehrere bedenkliche Verknüpfungen

Essen zum Trost, wenn Bedürfnisse unerfüllt sind

Kindern wird die Möglichkeit genommen, sich ihrer Bedürfnisse bewusst zu sein, wenn versucht wird, ein unangenehmes Gefühl mit Essen (also den angebotenen Gummibärchen) zu relativieren.

Beim Kinderarztbesuch können nicht erfüllte Bedürfnisse zum Beispiel die körperliche Unversehrtheit, die Nähe und Unterstützung der Mutter oder Sicherheit sein. Kinder brauchen unsere Unterstützung bei der Bedürfniserfüllung, sie können solche Situationen nicht alleine regeln. Das vorweg. Sie sind auf Fremdregulation seitens der Eltern angewiesen, die in ihrem Sinne erfolgt, damit sie irgendwann dazu in der Lage sind, sich selbst zu regulieren.

Begegnen wir ihnen nun mit Süßkram, dann programmieren wir ihnen in ihr Unterbewusstsein ein, dass Nähe, Sicherheit und Unversehrtheit mit Essen verbunden sind und eine Bedürfniserfüllung damit einher geht.

Gehen wir in dieser Situation nicht auf ihre Bedürfnisse ein, oder reden diese klein mit Sätzen wie „Ist doch nicht so schlimm!“, dann nehmen wir Kindern ihr von Geburt an vorhandenes Gefühl für ihren eigenen Körper. Irgendwann sind sie nicht mehr in der Lage, Unwohlsein oder nicht erfüllte Bedürfnisse zu kommunizieren. Vielleicht weil sie gelernt haben, dass das nichts zählt, wenn Erwachsene anderer Meinung sind, oder weil sie diese Fähigkeit nach und nach verlieren. Irgendwann, vielleicht auch erst sehr viel später (oder im Erwachsenenalter), nachdem solche Situationen so oder ähnlich abgelaufen sind, schaltet sich dann das Unterbewusstsein ein und übernimmt die Steuerung, um das dem Kind unbewusste und nicht erfüllte Bedürfnis zu erfüllen. Die gewählte Strategie wird die sein, die beispielsweise während den häufigen Kinderarztbesuchen in den ersten Lebensjahren einprogrammiert wurde: Das Essen von Süßigkeiten hilft die Verletzung der Integrität zu ertragen, die Unsicherheit anzunehmen oder den Schmerz auszuhalten. Die Verknüpfung, dass Unwohlsein mit Essen verscheucht werden kann, hat sich fest verankert. Das Unterbewusstsein ist sehr viel schneller als wir es schaffen rational zu denken und greift dabei auf die Erfahrungen zurück, die bisher bei der Bedürfniserfüllung gemacht wurden. Hier wären es konkret die angebotenen Gummibärchen.

Das Unterbewusstsein hat abgespeichert, dass Gummibärchen essen eine gute Strategie ist, das ungute Gefühl zu verscheuchen, anstatt dass es sinnvoller wäre, sich mit den empfundenen Gefühlen auseinander zu setzen.

Und das geht nur, wenn ich diese gemeinsam mit meinem Kind annehme und begleite, nicht aber indem ich zur Ruhigstellung Süßigkeiten verteile oder seine Gefühle klein rede.

Im Hinblick auf Missbrauchsprävention

Wenn ich Dinge, die ich eigentlich nicht möchte, über mich ergehen lasse, erhalte ich eine Belohnung, die das wieder gut macht.

Mir liegt das Thema Missbrauchsprävention sehr am Herzen, ich bin beruflich lange in solche Sachverhalte involviert gewesen und weiß um die nicht zu unterschätzende Gefahr. Wichtig zu wissen ist, dass die meisten Taten im verwandtschaftlichen Umfeld begangen werden. Missbraucht wird am häufigsten in der Familie. Niemand hört und liest das gern, in den meisten Fällen jedoch ist es der Opa, der Freund der großen Schwester, der neue Partner der Mutter oder der Cousin, der immer so kinderlieb ist. Vielleicht auch der freundliche Nachbar, der die Kinder im Hof des Mehrfamilienhauses immer so gern beim Spielen beobachtet. Mit „fremd“ kann also erst mal jeder, außer den eigenen Eltern, gemeint sein. Eine komplexere Unterscheidung ist von (jungen) Kindern nicht zu verlangen.

Täter, die nicht aus dem familiären Umfeld stammen, agieren nicht unbedingt nur mit der allseits bekannten Bonbon-Masche, sondern setzen auch auf die meist endlos vorhandene Hilfsbereitschaft von Kindern, indem sie eigene Not vortäuschen, oder bieten ihnen selbst Hilfe an, unter dem Vorwand, dass die Eltern des Kindes sich verspäten oder gar verunfallt sind und nicht kommen können. Dass Kinder nichts von Fremden annehmen sollen, ist für sie meist einfacher zu verstehen, wenn bei der Definition „fremd“ nicht erst kompliziert aufgedröselt werden muss, wer denn nun fremd ist oder nicht. Vor allem, wenn wir ihnen erklären, dass sie stets das, was ihnen angeboten wird, auf Nachfrage umgehend von uns bekommen. Das heißt selbstverständlich nicht, dass ich meiner Tochter prompt alle Wünsche in unbegrenztem Maß erfüllen möchte, jedoch, dass ich für solche Situationen absolut bereit bin, Zugeständnisse zu machen. Lieber ein mal zu viel als zu wenig. Das bedeutet dann allerdings auch, dass sie sich in Situationen rückversichern wird, die aus Erwachsenensicht unbedenklich sind, das ist für mich in Ordnung. Beim Einfordern von Hilfe wird es schon komplizierter, hier wird quasi an das Gewissen des Kindes und an seine von Grund auf positiven Eigenschaften appelliert. Grundsatz sollte sein, dass das Kind nur hilft, indem es einen anderen Erwachsenen herbei ruft und selbst nichts tut. Kinder helfen nur Kindern, Erwachsene bekommen nur von Erwachsenen Unterstützung. Letzteres Szenario, bei dem den Kindern Angst gemacht wird, dass ihre Eltern nicht kommen können, lässt sich im Zeitalter von Handys und Smartphones darüber lösen, dass Kinder, sobald sie sich alleine unterwegs bewegen, die Möglichkeit haben sollten, jederzeit ihre Eltern oder eine andere vertraute Person, wie zum Beispiel die Oma, erreichen zu können, um sich zu versichern bzw. auf die Situation aufmerksam zu machen, bevor sie überlegen, mit jemand Fremden mitzugehen. Mit „fremd“ ist hier auch der bekannte Nachbar, der Arbeitskollege des Vaters oder der nette Onkel, der morgens die beste Freundin zur Grundschule fährt, gemeint.

Täter haben entweder bereits das Vertrauen der Kinder, weil sie ihnen bekannt sind, oder sie erschleichen sich dieses, indem sie vorgeben, die Kinder zu kennen. Ein Kind, das mit seinem Namen angesprochen wird, geht nahezu immer davon aus, dass es den Erwachsenen, der ihm gegenüber steht, kennen muss, oder das dieser zumindest den Eltern bekannt ist. Wie oft kommt es vor, dass wir Besuch bekommen, sei es von Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen, die den Namen unserer Tochter kennen und sie zu Hause auch mit diesem direkt zur Begrüßung ansprechen, weil sie ihn aus Erzählungen kennen. Für meine Tochter ist es also durchaus normal, dass sie von uns bekannten Personen mit ihrem Namen angesprochen wird, ohne dass sie diese selbst kennt. Das sind alles Menschen, von denen in den meisten Fällen keine Gefahr ausgeht. Und die Kinder empfinden es als normal, dass also auch fremde Menschen ihren Namen kennen. Wenn wir aufmerksam sind, wie oft das schon vorgekommen ist, kommen da eine ganze Menge Situationen zusammen. Kritisch wird es, wenn tatsächlich Fremde, die uns nicht bekannt sind, unsere Kinder mit Namen ansprechen. Deswegen ist auch hier für mich klar: das sind auch Fremde! Fremde, von denen sie nur dann etwas annimmt oder mit denen sie mitgeht, wenn sie sich vorher bei mir rückversichert hat, dass das okay ist. Auf Autoaufkleber, die den Namen meiner Tochter preisgeben haben wir bewusst verzichtet. Gleiches gilt für das Einstellen von Bildern in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Twitter. Um meine Tochter zu schützen, ist ihr Gesicht nie zu erkennen. Wenn es so weit ist, kann sie selbst entscheiden, ob sie Fotos von sich online stellen und somit auf die Bildrechte verzichten möchte. Trotzdem zeige ich hier auf meinem Blog und auch auf anderen Socialmedia-Kanälen gerne Bilder aus unserem Alltag. Und aus diesem Grund verzichte ich hier und auch dort auf die Nennung ihres Namens. Gleiches gilt für die offensichtliche Beschriftung von persönlichen Gegenständen, Namens-Shirts usw.

Ein weiterer Aspekt ist die Kleidung außerhalb des Hauses. Meine Tochter wächst windelfrei auf, bei entsprechender Witterung darf sie in unserem nicht einsehbaren Garten gerne nackt sein. Wenn Freundinnen mit ihren Kindern zu Besuch sind, behalte ich das auch bei. Ist Besuch mit älteren Kindern da, kommen kinderlose Freunde oder Arbeitskollegen, dann wird bei uns Kleidung getragen. Ebenfalls immer außerhalb des Hauses. Im Schwimmbad oder am Strand tragen wir UV-Schutzkleidung oder eine Stoff-/Schwimmwindel mit Shirt. Ich weiß, wie viel Freude es Babys und kleinen Kindern bereitet, nackt zu sein. Das ist gesund und trägt zur Lebensqualität bei. Ich weiß, wie toll es sein kann, in der City im Springbrunnen und an den Wasserfontänen zu plantschen. Ich möchte meiner Tochter allerdings vermitteln, dass die getragene Kleidung auch Schutz und Grenze bedeutet. Da, wo wir außerhalb unseres Hauses Kleidung tragen, dürfen Fremde nicht auf die Haut hinfassen. Dort, wo keine Kleidung die Haut bedeckt, dürfen Fremde (damit sind dann Oma, Onkel, Freunde usw. gemeint) sie berühren, wenn das für sie okay ist. Damit kann eine Umarmung zur Begrüßung gemeint sein, ein liebevolles Streicheln durch die Haare oder ein Halten an der Hand.

Und was nun, wenn eines Tages doch der Fremde vor meinem Kind steht?

Kinder, die wissen, dass sie sich Erwachsenen in für sie unangenehmen Situationen widersetzen dürfen, werden es leichter haben. Und hier sind wir wieder beim Kinderarzt. Wenn ich von meiner Tochter Unterwürfigkeit vor Obrigkeiten verlange, weil man das so macht, weil der Arzt im weißen Kittel immer Recht hat und weil wir bei Tante und Onkel immer höflich und fügsam sein müssen, dann wird es schwer sein, die eigenen Grenzen zu verteidigen, wenn es darauf ankommt. Bei Kindern, die über ausreichend Sprachkompetenz verfügen, ist es ratsam, mit ihnen Sätze einzuüben, die sie im Notfall laut und deutlich rufen können. „Gehen Sie weg! Ich kenne Sie nicht!“, „Ich möchte nicht von Ihnen angefasst werden!“ Die Vermeidung der Du-Floskel wird bei Außenstehenden eher vermuten lassen, dass sich Kind und Erwachsener nicht kennen und deutet nicht auf einen Streit zwischen Vater und Tochter oder Sohn hin.

Die wichtigste präventive Maßnahme beginnt allerdings im engsten Familienkreis. Zwischen Mutter und Kind sowie Vater und Kind. Werden bereits zu Hause täglich Grenzen überschritten und setzen sich die machthabenden Eltern gegenüber den schwächeren Kindern häufig mit dem Einsatz von körperlicher Gewalt durch, zum Beispiel weil Zähne im Schwitzkasten geputzt, Haare gegen den Willen gekämmt, zum Aufessen gezwungen oder das Kind im Supermark regelmäßig weggetragen wird, weil wir es eilig haben, dann trägt das vielleicht zur Vorsorge gegen ein kleines Loch im Zahn, einen Knoten im Haar, zur Vermeidung von Restmüll oder zu einer schnelleren Ankunft zu Hause bei. Und auch dem Kinderarzt wird dabei geholfen, seinen durchgetakteten Zeitplan im Praxisalltag beizubehalten. Die Missbrauchsprävention wird damit jedoch boykottiert.

Mit einem Klick liest du zu dieser Thematik noch meinen Artikel „Ein Küsschen für…Gehört dein Körper doch nicht dir?“ und wie wichtig es ist, dass allem voran wir Eltern die Integrität unserer Kinder wahren und ihre Grenzen vor Fremden verteidigen.

Gleichzeitig ist es wichtig, bei dieser Thematik nicht nur Gebote und Verbote aufzustellen, sondern dem Kind auch Handlungsalternativen in Notsituationen aufzuzeigen. Wenn Weglaufen keinen Erfolg verspricht oder die laute Ansprache keine Wirkung zeigt, sollten Kinder sich vornehmlich an weibliche Personen wenden, die nach Möglichkeit selbst Kinder bei sich haben. Sich an Uniformen zu orientieren macht meines Erachtens weniger Sinn, denn nicht selten fallen selbst Erwachsene, meist fortgeschritteneren Alters, auf Trickbetrüger rein, die sich ihre Kleidung im Karnevalsladen zusammengestellt haben. Kinder sollten zwar grundsätzlich vor Feuerwehr und Polizei keine Angst haben, weswegen auch niemals mit Floskeln wie „Wenn du XY jetzt nicht lässt, dann holt dich die Polizei ab!“ gedroht werden sollte, trotzdem ist eine Uniform kein Garant dafür, an eine vertrauenswürdige Person zu geraten. Meiner Ansicht nach ist die sicherste Variante, dass das Kind sich an Personen wendet, die selbst gerade „unter Kontrolle stehen“, und daher als potentielle Täter eher nicht infrage kommen. Zum Beispiel weil sie arbeiten. Der sein Tablett tragende Kellner im Biergarten, der Kassierer im Supermarkt, der Bauarbeiter mit dem Bagger. Immer unter der Prämisse, dass keine Mutti mit Kinderwagen greifbar ist.

Ich nehme lieber in Kauf, eine hohe Hemmschwelle durch die von mir aufgestellten Regeln aufzubauen, und damit das Risiko, dass meine Tochter eine leichte Verunsicherung erfährt oder dass wir von Fremden und Nahen kritisch dafür beäugt werden, als dass ihr gutgläubiges Wesen eines Tages ausgenutzt wird.

Wie handhabt ihr das? Habt ihr noch Tipps und Hinweise, die ich in meinen Artikel aufnehmen kann? Hinterlasst mir gerne unten einen Kommentar.

Alles Liebe, Isabel !

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4 Kommentare zu „Süße Trostpflaster beim Kinderarzt und warum es die bei uns aus Gründen der Missbrauchsprävention nicht gibt

  1. Der Artikel hat mich gerade voll erwischt. Letztlich im positiven Sinne aber hui, schwieriges Thema.
    Ich finde deine Herangehensweise gut und nehme mir aus dem Artikel einiges mit, was ich bei meinem Kind auch gerne so machen will (zum Beispiel keine Süßigkeiten als „Belohnung“ x genannt zu haben, obwohl es nicht gewollt wurde). Aber ich sehe auch, wie viel Widerstände da auf mich aber auch auf mein Kind zukommen werden. Die Oma, die dann sagt „hab dich nicht so“, „ihr verzieht das Kind“, „da muss man durch“…
    Ich glaube aber, dass so starke, selbstbewusste Kinder gross werden können, die ernst genommen werden in ihren Bedürfnissen. Sagt mein Kind Nein, dann ist es ein Nein. Punkt. Egal wie alt es (erst) ist, jeder hat seine Grenzen zu respektieren und ich will nicht, dass es lernt, diese müssten verändert werden für andere, weil „man das so macht“ oder gar, weil es dafür belohnt wird seine eigenen Bedürfnisse unterzuordnen.
    Danke für diesen Artikel!

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe E.
      Danke für deinen Kommentar und dein Feedback ❤️
      Ich freue mich, wenn ich andere Eltern mit meinen Texten erreichen kann!

      Gefällt mir

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